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Sonntag, 11. September 2016

Francis Jammes - Geschichten (Weltschmerz/Die beiden grossen Künstlerinnen)

Edgar Degas - The Tub


Der Weltschmerz.

Ein Dichter, der sich Laurent Laurini nannte, litt an Weltschmerz. Der an diesem schrecklichen Uebel leidet kann nicht Menschen, noch Tiere, noch sonst etwas sehen ohne schreckliche Schmerzen. Und dann sind es auch noch arge Gewissensängste, die das Herz vergiften.
Der Dichter verliess die Stadt, die er bewohnte und ging aufs Land, die Bäume zu sehen und das Getreide und die Wasser; die Wachteln, die wie Quellen singen, zu hören und die Arbeit der Weber und die summenden Telegraphendrähte. Diese Dinge und diese Geräusche machten ihn traurig. Und die süssesten Gedanken waren ihm voll Bitterkeit. Und wenn er, um seiner schlimmen Krankheit zu entfliehen, eine schöne Blume gepflückt hatte, weinte er, dass er sie gepflückt hatte.
Er kam in ein Dorf, an einem süssen Abend, der nach Birnen duftete. Es war ein Dorf, schön, wie er es oft in seinen Büchern beschrieben hatte. Es gab da einen Hauptplatz, eine Kirche, einen Friedhof, Gärten, einen Schmied und eine schwarze Herberge, aus der ein blauer Rauch aufstieg und deren Fenster glänzten. Es gab auch einen Bach, der sich an wilden Haselnussstauden hinschlängelte. — Der kranke Dichter hatte sich traurig auf einen Felsen niedergelassen. Er dachte an seine Seelenqual, an seine Mutter, die über sein Fortgehen weinte, an die Frauen, die ihn betrogen hatten und sehnte sich nach der Zeit seiner ersten Kommunion.
— Mein Herz, dachte er, mein trauriges Herz kann nicht anders werden.
Da sah er ein Bauernmädchen ganz nah bei sich, das trieb unter dem Sternhimmel Gänse zusammen. Und sagte:
— Warum weinst du?
— Meine Seele hat sich weh gethan, als sie auf die Erde fiel. Ich kann nicht gesund werden, denn mein Herz drückt mich zu sehr.
— Willst du das meine? frag sie. Es ist leicht. Ich nehme das deine und will nicht schwer daran tragen. Bin ich nicht Lasten gewohnt?
Er gab ihr sein Herz und nahm das ihre. Und da lächelten sie beide und gingen Hand in Hand den Pfad entlang. Und die Gänse gingen vor ihnen her wie Stückchen Mond.

* * *

Sie sprach zu ihm: — Ich weiss, dass du gelehrt bist und dass ich nicht wissen kann was du weisst. Aber ich weiss, dass ich dich liebe. Du kommst von wo anders her und du musst in einer schönen Wiege geboren sein, wie ich einmal eine auf einem Wägelchen sah.
Deine Mutter versteht gut zu sprechen. Ich liebe dich. Du musst mit Frauen geschlafen haben, deren Haut sehr weiss war, und du musst mich hässlich und schwarz finden. Ich bin nicht in einer schönen Wiege zur Welt gekommen. Ich bin auf den Feldern geboren, im Korn, gerade bei der Ernte. Man hat mir das erzählt und dass man mich und meine Mutter und ein kleines Lamm, das ein Schaf am selben Tage geworfen, auf einen Esel setzte und so nach Hause brachte. Die Reichen haben Pferde. Er sprach zu ihr: — Ich weiss, dass du einfach bist und dass ich nicht sein kann wie du. Aber ich weiss, dass ich dich liebe. Du bist von hier und man hat dich in einem Korb gewiegt, den man auf einen schwarzen Stuhl stellte, wie ich einen auf einem Bilde sah. Ich liebe dich. Deine Mutter webt das Leinen. Du tanztest unter den Bäumen mit den hübschen und starken Burschen, die lachten. Du musst mich krank und traurig finden. Ich bin nicht auf den Feldern geboren da man erntete. Wir kamen in einem schönen Zimmer zur Welt, ich und eine kleine Zwillingsschwester, die bald starb. Meine Mutter war krank. Die Armen haben die Gesundheit.
Und dann, in dem Bett, in dem sie zusammen lagen, umarmten sie sich noch stärker.
Sie sagte zu ihm: — Ich habe dein Herz.
Er sagte zu ihr: — Ich habe dein Herz.

* * *

Sie bekamen einen hübschen kleinen Buben.
Und der Dichter, der fühlte, dass sein grosser Schmerz von ihm gewichen war, sagte zu seinem Weibe:
— Meine Mutter weiss nicht, was aus mir geworden ist. Mein Herz wird weit, wenn ich daran denke. Lass mich, meine Freundin, in die Stadt gehen, ihr zu sagen, dass ich glücklich bin und dass ich einen Sohn habe.
Sie lächelte — denn sie wusste, dass sie sein Herz hatte — und sagte: — Geh.
Und er ging den Weg, den er gekommen war. Er kam vor die Thore der Stadt und vor ein stattliches Gebäude, aus dem man lachen und reden hörte, denn es gab ein Fest, zu dem die Armen nicht geladen waren. Der Dichter erkannte das Haus als das eines seiner alten Freunde, eines reichen und berühmten Künstlers. Er blieb, um zu hören, vor dem Parkgitter stehen, durch das man Springbrunnen und Statuen sah.
Eine Frau, deren Stimme er erkannte, die schön war und einst sein junges Herz gepeinigt hatte, sagte:
— Erinnern Sie sich des grossen Dichters Laurent Laurini?. . . Man spricht von einer Mesalliance, er soll eine Kuhmagd geheiratet haben . . .

* * *

Die Thränen kamen in seine Augen und er ging weiter durch die Strassen der Stadt bis an sein Geburtshaus. Das Pflaster antwortete leise dem Wort seiner müden Schritte. Er öffnete die Thüre und trat ein. Und seine treue alte Hündin lief hinkend auf ihn zu, kläffte vor Freude und leckte ihm die Hand. Er sah, dass das arme Tier an den Hinterbeinen gelähmt war, denn die Sorgen und die Zeit verschonen auch die Körper der Tiere nicht.
Laurent Laurini ging die Treppe hinauf. Da sah er die alte Katze, die einen Buckel machte und um seine Beine strich. Auf dem Estrich schlug die Uhr im Erkennen.
Leise trat er in sein Zimmer. Da lag seine Mutter auf den Knieen:
— Mein Gott, gieb, dass mein Sohn lebt . . Mein Gott, er litt so sehr . . Wo ist er? Verzeih mir, dass ich ihn gebar. Verzeih ihm, dass er mich sterben macht.
Aber schon kniete er neben ihr und drückte seine jungen Lippen auf ihre grauen Haare:
— Komm mit mir. Ich bin geheilt. Ich kenne einen Ort, da giebt es Bäume, Getreide, Wasser; da singen die Wachteln, surren die Weberschiffchen und summen die Telegraphendrähte. Da hat eine Arme mein Herz und spielt dein Enkelkind.



Die beiden grossen Künstlerinnen.

Neue Worte möchte ich finden, um die Lieblichkeit einer kleinen Prostituierten zu malen, die ich eines Abends auf einem grossen fast leeren Platz traf. Diese kleine Prostituierte trug armselige zu grosse Schuhe, die Wasser schluckten, einen Sonnenschirm, der wie ein Regenschirm zusammengedreht war und ein Matrosenhütchen aus Stroh, in dem sicher stand: »Letzte Neuheit«.
Sie hatte eine kleine leidende Stimme und war intelligent. Sie war gerade, wie sie sagte, von einer Brustfellentzündung aufgestanden. Uebrigens war sie sauber, moralisch und physisch. Ich traf sie öfters, nach zehn, müde vom oft vergeblichen Suchen des Erstbesten. Sie liess sich im Schatten auf einer Bank neben mir nieder und bettete ihr armes bleiches Gesicht auf meine Knie. Ich fühlte, dass sie auf diese Weise den kleinen Trost eines armen Tieres erlebte, das sich nicht mehr schlecht behandelt weiss. Ich fühlte, dass sie ihr Handwerk als eine bedeutende, aber unverdiente Schande betrachtete. So wartete sie lange auf den Zug nach einem Vorort, wo sie wohnte.
Eines Abends, da sie noch unglücklicher war als sonst, bat sie, die arme Kleine, ihr zu erlauben, dass sie mich ein Wegstück begleite.
Wir kamen auf einen grossen hellerleuchteten Platz, wo ein grosses Theater war. An einem der Pfeiler des Gebäudes war ein goldglänzendes Plakat. Es stellte die Sarah Bernhardt im Kostüme der Tosca glaube ich dar, in einem weiten reichen Kleide und mit einer Palme in der Hand. Und ich dachte an das, was man mir über diese berühmte Frau erzählt hatte, ihre Launen, ihre Ausgaben, ihr weisses Marmorgrab, ihren Stolz. Und ich fühlte, wie dies arme kleine Elend an meiner Seite zitterte. Sie sah, wie dieses barbarische Idol sich aufrichtete und ohnwissentlich sie mit dem Kot ihrer goldenen Geschmeide bewarf.
Mir war als müsste ich vor Schmerz schreien über diese Gegenüberstellung der beiden Frauen. Und ich sagte mir:
— Beide sind aus dem Weibe geboren. Die eine hält ein Palmenblatt, die andere einen alten Regenschirm, der so elend ist, dass sie ihn vor mir nicht zu öffnen wagt. Die Eine schleppt an ihren Füssen eine bewundernde Menge, die Andere Fetzen zerrissenen Schuhleders. Die Eine verkauft ihren Schmerz um Pfunde Goldes und kein Seufzer entflieht ihrem Munde, der nicht als ein Vermögen zurückhallt. Kein Seufzer der andern ist je gehört.
Und etwas schrie in mir:
— Diese ist eine Künstlerin der Menschheit. Man ruft ihr Beifall zu, weil sie dem Masse derer gleich ist, die sie hören. Und diese haben die Lüge nötig, auf die man die schönste der Rollen baut . . .
Aber die Andere, die Andere ist eine Künstlerin Gottes. Sie spielt eine Rolle, so gross und so schmerzlich, dass sie noch keinen Menschen gefunden hat, der sie verstand und reich genug war, sie zu bezahlen.
Und nie und nicht in der schönsten ihrer Darstellungen hat die grosse vergoldete Komödiantin dieses wahrhaftige Genie des Schmerzes erreicht, das die Stirne der kleinen Prostituierten sich zu mir neigen macht.

GESCHICHTEN/ VON/ FRANCIS JAMMES/ AUS DEM FRANZOESISCHEN/ VON/ F[RANZ] B[LEI]

Aus: DIE INSEL, Aesthetisch-belletristische Monatschrift mit Bilderbeilagen, Herausgegeben von Julius Bierbaum, Viertes Quartal (Juli-September 1902), Insel-Verlag, Leipzig, 1902

Freitag, 1. Juli 2016

Offener Brief an Jean Jaurès von Rosa Luxemburg

Offener Brief an Jean Jaurès
Von Rosa Luxemburg

Werter Genosse!

Sie haben für gut befunden, im Berliner Organ des deutschen Freisinns Ihre Ansichten über die gegenwärtige politische Situation darzulegen und darin die Entente cordiale zwischen Frankreich, England und Rußland von dem Verdacht zu reinigen gesucht, als sei sie eine Kriegsgefahr. Im Gegenteil, Sie feiern diese Verständigung als einen Beweis, daß es keine unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den europäischen Großmächten gebe, und als einen Ansatz zur Festigung des Friedens in Europa. Sie schreiben:
»Eine Verständigung zwischen Frankreich, England und Rußland, eine ›Triple Entente‹ bedeutet an sich nicht eine Bedrohung des Friedens. Sie kann sogar friedliche Zwecke und friedliche Wirkungen haben. In jedem Falle beweist sie, daß viele als unvereinbar abgestempelte Gegensätze sich dennoch einen lassen. Zur Zeit von Faschoda schienen Frankreich und England am Vorabend eines Krieges zu stehen; jetzt haben sie die Entente cordiale geschlossen. Als ich noch ein Kind war, lernte ich in der Schule, daß England und Rußland vom Schicksal zur Gegnerschaft bestimmt seien. Jetzt haben wir die Zusammenkunft in Reval erlebt, die friedliche Abmachungen über die Verhältnisse in Asien ergab — vielleicht auch über die Verhältnisse in Europa.
»Weshalb sollte sich der ausgesprochene Gegensatz zwischen Deutschland und England nicht ebenso ausgleichen lassen?
»Selbst eine neue Triple-Entente könnte zu einer solchen friedlichen Lösung helfen, wenn Frankreich seine Rolle richtig auffaßt, wenn es das Bewußtsein seiner Pflicht neben dem Bewußtsein seiner Macht besitzt.«
Nur einen Schatten finden Sie in diesen leuchtenden Perspektiven:
»Ein Unglück ist es freilich, daß Deutschland sich mit der Türkei zu solidarisieren scheint — nicht nur mit dem türkischen Reiche, auch mit den türkischen Mißbräuchen. Mir scheint, daß es der Türkei genügenden Schutz gegen gewaltsame Eingriffe geben könnte, ohne doch seine Unterstützung dem notwendigen Werke humaner Reformen zu weigern. Deutschland würde nur die Sache seiner Gegner fördern, wenn es ihnen die Möglichkeit zu der Behauptung gibt, daß es seinen Einfluß in der Türkei durch bedenkliche Gefälligkeiten zu erkaufen sucht. Natürlich hat die Türkei das größte Interesse daran, selbst die Reformen im Lande vorzunehmen; sie würde mit einem Vorgehen den Staaten, die ihre Politik unter dem Mantel der Humanität verstecken, jeden Vorwand zur Einmischung in türkische Verhältnisse nehmen.
»Wenn Deutschland rechtzeitig in Konstantinopel die Stimme der Vernunft zu Gehör brächte, würde es den Freunden des Friedens die Aufgabe erleichtern, auch der Annäherung zwischen Frankreich, Rußland und England eine wahrhaft friedliche Bedeutung zu geben und so das Herannahen der Stunde zu beschleunigen, in der Triple-Alliance und Triple-Entente sich zu einer großen europäischen Verständigung einen könnten.
»Ich darf sagen, daß an der Erreichung dieses Zieles die französischen Sozialisten nach Maßgabe ihrer Kräfte mit leidenschaftlichem Eifer arbeiten.«
Es gibt manches in diesen Darlegungen, was mir mit der Auffassung der deutschen Sozialdemokratie von der auswärtigen Politik schwer vereinbar erscheint. Ich glaube zum Beispiel, daß die politischen Kombinationen, die von einem »Frankreich«, »Deutschland«, »Rußland«, »England« und von den »Interessen« dieser fraglichen Wesen handeln, der zünftigen Sprache der bürgerlichen Politiker wie ein Ei dem andern gleichen. Ich glaube, daß die »Interessen« der heutigen kapitalistischen Staaten auch in der auswärtigen Politik sehr verschieden, ja oft direkt entgegengesetzt sind, je nachdem man sie vom Standpunkt der herrschenden Klassen oder des Proletariats und seiner Klassenpolitik betrachtet, und daß es deshalb keineswegs im Interesse des Sozialismus liegen kann, den Humbug der offiziellen bürgerlichen Politik von »Staatsinteressen« und »Volksinteressen« als einem homogenen Ganzen spricht, den Humbug der »Interessenharmonie« aller Klassen auf dem Gebiet der auswärtigen Politik zu unterstützen.
Mir scheint ferner, daß wir — dank der wissen­schaftlichen Basis unserer sozialistischen Weltan­schauung — uns darüber klar sind, daß sowohl Krieg als Frieden in der modernen kapita­listischen Welt aus viel tieferen sozialen Ur­sachen entspringen, denn aus dem Willen und dem winzigen Intri­genspiel der »leitenden« Staats­männer, daß es, so­lange der Kapitalismus fort­besteht, zwischen den einzelnen Staaten tatsächlich unüberbrückbare Ge­gensätze gibt, die sich dem Fortschreiten der Welt- und Kolonialpolitik notwendig verschärfen und die kein Pflästerchen der »Allianzen« beseitigen kann, ebenso daß alle »Allianzen« und »Ententen« der Mili­tärstaaten selbst nur versteckte Mittel zu fort­schreitenden Kriegsrüstungen und gegebenenfalls zur Verbreitung der Kriegsgefahr über ihren un­mittelbaren Bereich hinaus darstellen. Mir scheint deshalb, daß es viel weniger Aufgabe der Sozialisten sein kann, die Illusionen der bürgerlichen Friedens­apostel und ihre Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens durch allerlei Kabinettstücke der Staatsdiplomatie zu nähren, als das lächerliche und klägliche Puppenspiel dieser Diplomatie in seiner Ohnmacht, Borniertheit und Verlogenheit auf Schritt und Tritt zu entlarven.
Doch das sind alles Sachen der Auffassung, und ich wage mir nicht zu schmeicheln, darüber mit Ihnen disputieren zu können.
Allein es gibt einen Punkt — und zwar ist es der Zentralpunkt Ihrer Darlegungen —, gegen den man, wie ich glaube, den schärfsten Protest einlegen muß.
Sie befürworten und verteidigen die jüngste Frucht der kapitalistischen diplomatischen Drahtzieherei: die anglo-russische »entente cordiale«, Sie preisen die Zusammenkunft König Eduards mit dem russischen Zaren in Reval und ihre segenbringenden Ergebnisse für — Asien. Es sei gestattet, Sie daran zu erinnern, daß es noch ein Land in Europa gibt, für dessen Schicksale die englisch-russische Verbrüderung nicht ohne Folgen bleibt, und das ist — Rußland.
Die Schicksale der russischen Revolution sind von Anfang an eng an die Geschehnisse der auswärtigen Politik gebunden. Es war ein unglücklicher Krieg, ein Zusammenbruch der auswärtigen Macht Rußlands, der das Präludium der Revolution im Innern Rußlands bildete. Nach den Niederlagen des Absolutismus bei Tsuschima und Mukden, wie nach seinen Niederlagen in Petersburg und Warschau, war das Prestige Rußlands in der internationalen Politik auf dem Tiefstand. Wären die europäischen Staaten und die bürgerlichen Klassen Deutschlands, Frankreichs, Englands Vertreter der bürgerlichen Freiheit und nicht das, was sie sind: brutale Vertreter der gemeinen Ausbeutungs- und Herrschaftsinteressen, so müßte Rußland, das offizielle absolutistische Rußland, nach jenen Niederlagen aus dem europäischen Konzert herausgeworfen, von der offiziellen Meinung Europas mit Füßen getreten, von der europäischen Börse boykottiert werden. Das gerade Gegenteil ist naturgemäß eingetreten. Erschrocken durch die russische Revolution, eilte das Bürgertum Europas dem russischen Absolutismus zu Hilfe: mit Hilfe der deutschen und französischen Börse konnte der Zarismus den ersten siegreichen Ansturm der Revolution abwehren, und heute herrscht in Rußland die Konterrevolution, das heißt das Feldkriegsgericht und der Galgen.
Nun sucht der Absolutismus den zeitweiligen Sieg über die Revolution zu einem definitiven zu machen, sich zu befestigen, und dazu versucht er vor allem das alte erprobte Mittel jeder erschütterten Despotie: die Erfolge der auswärtigen Politik.
In diesem Sinne wird in der russischen Reptilpresse seit geraumer Zeit eine wüste Kriegshetze gegen das Ausland angezettelt, aus dieser Tendenz ist der von der Stolypinschen Regierung veranstaltete panslawistische Rummel geboren, und diesen Zwecken dient der jüngste eklatante Erfolg der russischen Diplomatie, die »herzliche Verständigung« mit England. Der »Herzensbund« Englands mit Rußland sowie das Bündnis Frankreichs mit Rußland bedeuten die Befestigung der Heiligen Allianz der Bourgeoisie Westeuropas mit der russischen Konterrevolution, mit den Würgern und Henkern der russischen und polnischen Freiheitskämpfer. Sie bedeuten die Festigung und Unterstützung der blutigsten Reaktion nicht nur im Innern Rußlands, sondern auch in den internationalen Beziehungen. Der denkbar drastischste Beleg dazu ist die Tendenz der russisch-englischen Abmachungen in einer orgiastischen Niedermetzelung der persischen Aufständischen zur Wiederherstellung des Absolutismus auch in Persien Ausdruck findet.
Es ist klar, daß angesichts dessen die elementarste Pflicht der Sozialisten und Proletarier aller Länder darin besteht, mit aller Macht den Bündnissen mit dem konterrevolutionären Rußland entgegenzuarbeiten, das Prestige, den Einfluß, die internationale Position des heutigen Stolypinschen Rußlands nach Kräften zu untergraben, die reaktionäre, freiheitsmordende Tendenz dieser Bündnisse in Rußland wie im internationalen Leben unermüdlich und laut zu denunzieren.
Es ist klar, daß umgekehrt, die Unterstützung der Bündnisse mit dem heutigen Rußland durch die moralische Autorität der Sozialisten Westeuropas, der Bündnisse über die Leichen der Hingerichteten und Niedergemetzelten, über die eisernen Ketten der im Zuchthaus schmachtenden sozialdemokratischen Dumafraktion, über die Qualen der Zehntausende eingekerkerter Revolutionäre hinweg, daß diese Unterstützung ein Verrat an der Sache der Revolution ist.
Wie soll man also Ihre Befürwortung der franko-russischen und der anglo-russischen Herzensbündnisse verstehen, Genosse Jaurès?
Wie soll man sich erklären, daß Sie »mit leidenschaftlichem Eifer« daran arbeiten, die Regierung des blutigen Henkers der russischen Revolution und der persischen Aufstandes zum einflußreichen Faktor der europäischen Politik, den russischen Galgen zum Pfeiler des internationalen Friedens zu machen — Sie, der Sie seinerzeit die glänzendsten Reden gegen die Anleihe an Rußland in der französischen Kammer gehalten, der Sie erst vor wenigen Wochen den erschütternden Appell an die öffentliche Meinung die blutige Arbeit der Feldkriegsgerichte in Russisch-Polen in Ihrer »Humanité« veröffentlicht haben? Wie soll man Ihre Friedenspläne, die auf dem franko-russischen und anglo-russischen Bündnis beruhen, mit dem jüngsten Protest der französischen sozialistischen Kammerfraktion wie der Administrativen Kommission des Nationalrats der sozialistischen Partei gegen die Reise Fallières nach Rußland in Einklang bringen, dem Protest, unter dem auch Ihre Unterschrift steht und der die Interessen der russischen Revolution mit ergreifenden Worten in Schutz nimmt? Kann der Präsident der französischen Republik sich nicht auf Ihre eigenen Darlegungen über die internationale Lage berufen, und wird die Konsequenz nicht auf seiner Seite sein, wenn er Ihrem Protest gegenüber erklärt: Wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen, wer das Bündnis mit dem zarischen Rußland als eine Garantie des internationalen Friedens betrachtet, der muß auch alles akzeptieren, was dieses Bündnis befestigt und die Freundschaft pflegt.
Was würde Sie dazu sagen, wenn sich ehemals in Deutschland, in Rußland, in England Sozialisten und Revolutionäre gefunden hätten, die »im Interesse des Friedens« eine Allianz mit der Regierung der Restauration oder mit der Cavaignacs oder mit der Regierung Thiers’ und Jules Favres befürwortet und mit ihrer moralischen Autorität gedeckt haben würden?
Nimmermehr kann ich glauben, daß Sie, wie Sie behaupten, in dieser Politik alle französischen Sozialisten hinter sich haben. Zum mindesten kann ich dies nicht von unserem alten Freunde Jules Guesde und ebensowenig von unserem Freunde Vaillant glauben, der eben erst in der französischen Kammer durch das Wutgeheul der ganzen bürgerlichen Meute hindurch mit Donnerstimme den Herzenverbündeten Englands und Frankreichs, den Zaren, mit dem Namen genannt hat, der ihm gebührt!

Aus: Die Neue Zeit, J.H.W.-Dietz-Verlag, 1907 (Vorlage: Wikipedia Commons)




Freitag, 1. April 2016

Dr. Max Gruber - Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln für den ehelichen Geschlechtsverkehr.

Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln für den ehelichen Geschlechtsverkehr.

von Dr. med. Max Gruber, Professor der Hygiene an der Universität München
(Kapitel 5, Aus: Hygiene des Geschlechtslebens dargestellt für Männer von Dr. med. Max Gruber - (6. Juli 1853, Wien – 16. September 1927, Berchtesgaden) - ohne Fußnoten

Während kaum irgend etwas Sicheres von schädlichen Folgen der Enthaltsamkeit bekannt ist, steht es fest, daß geschlechtliche Unmäßigkeit sehr häufig schadet. Besonders häufig leidet beim Manne das Nervensystem darunter, was leicht begreiflich ist, wenn man die heftige Erregung des ganzen Nervensystems bedenkt, unter welcher sich der Beischlaf vollzieht.  Schon deshalb darf also auch in der Ehe der Geschlechtstrieb nicht sinnlos befriedigt werden.
Auch in jenen Perioden der Ehe, während deren der Beischlaf erlaubt ist, darf er nicht zu häufig ausgeübt werden.
Viele alte Gesetzgeber haben darüber Vorschriften gegeben:
Zoroaster erlaubte ihn alle 9 Tage, Solon 3mal im Monate, Mohammed 1mal wöchentlich. Luther gab den bekannten Rat:

     »Alle Wochen zwier
     Schadet weder ihr noch mir,
     Macht im Jahr hundertundvier.«

wobei er allerdings auf die Menstruation vergessen hat. Es ist nicht möglich, eine feste Regel aufzustellen. Wie oft der Beischlaf ausgeübt werden kann, ohne daß er schadet, hängt nämlich in hohem Maße von der natürlichen Anlage, vom Alter, der Ernährung und der Arbeitsleistung der Gatten ab. Stark geistig Arbeitende müssen in der Regel mäßig sein. Wer auf die Winke der Natur achtet, wird leicht selbst das zuträgliche Maß finden. Wenn lebhaftes Verlangen nach dem Beischlafe besteht, die Erektion rasch und kräftig eintritt, wenn nach vollzogenem Beischlafe eine angenehme Mü¬digkeit empfunden wird, die nach kurzer Ruhe dem Gefühle voller Frische Platz macht, so ist nicht zu viel geschehen. Dagegen lasse man sich durch träge Erektionen, durch das Gefühl von Ermüdung und Unlust hinterher warnen. Der Satz: »Jedes Tier ist nach dem Beischlafe traurig« gilt nur für Kranke und Unmäßige.
Was die beste Tageszeit für die Vornahme des Beischlafes anbelangt, so bevorzugen die einen die Zeit unmittelbar nach dem Zubettlegen, wobei dann die ganze Nacht der Erholung dient, die anderen die Zeit unmittelbar nach dem Erwachen, wo die Gatten völlig ausgeruht und frisch sind. Im letzteren Falle ist es aber ratsam, sich nach Vollzug des Beischlafs eine kurze Ruhezeit zu gönnen. Ueberhaupt wird der Beischlaf am zuträglichsten sein, wenn er in voller Bequemlichkeit und Ungestörtheit, frei von Sorgen oder Gewissensbissen, vollzogen wird. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist deshalb viel zuträglicher als der außereheliche. Am zweckmäßigsten ist die Rückenlage der Frau unter dem Manne. Diese Lage ist schon durch den Bau der Geschlechtsteile als die natürliche vorgezeichnet. Andere Stellungen ermüden stärker. Bei Lage des Mannes unten und der Frau oben, sinkt die Gebärmutter zu sehr nach unten, sie wird schädlichen Erschütterungen ausgesetzt und an ihren Bändern gezerrt. Die Frau empfindet dann häufig hinterher Schmerzen, ja es kann zu Entzündungen im Innern kommen. Jede Künstelei ist überhaupt zu vermeiden, ebenso alle langen Liebesspiele vorher. Je einfacher man in seinen Genüssen ist, umso gesünder. Eheleute mögen sich immer vor Augen halten, daß je mäßiger und einfacher sie im Genusse sind, umso länger die beiderseitige geschlechtliche Gesundheit, besonders die Leistungsfähigkeit des Mannes vorhalten wird, sie umso länger also der ehelichen Genüsse sich erfreuen zu können hoffen dürfen. Eine gewisse zeitliche Regelmäßigkeit im Vollzuge des Beischlafes ist ebenfalls ratsam. Die ganze Funktion des männlichen Geschlechtsapparates richtet sich dann darauf ein und der Beischlaf geht dann ohne schädliches Uebermaß der Erregung vor sich. Selbstverständlich soll man aber nur dann beischlafen, wenn man sich vollkommen gesund und kräftig fühlt, und nur dann, wenn die Erektion sich von selbst eingestellt hat. Sie zum Zwecke des Beischlafs künstlich herbeizuführen, ists ein Mißbrauch, der sich mit der Zeit an der Gesundheit rächt. In berauschtem Zustande den Beischlaf auszuführen, ist durchaus verwerflich, weil die Gefahr besteht, daß ein in solchem Zustande erzeugtes Kind krank und schwächlich wird. Wer noch Kinder zu erzeugen die Absicht hat, sollte sich überhaupt regelmäßigen Genusses von alkoholischen Getränken enthalten und auch niemals ausnahmsweise ein Uebermaß davon zu sich nehmen. Je besser die Gatten für Gesundheit und Kraft ihres Körpers sorgen, umso gesundere und lebensfrischere Kinder dürfen sie erwarten. Diese Fürsorge für die eigene Gesundheit ist eine der größten und wichtigsten Pflichten derjenigen, welche Kinder in die Welt setzen wollen.
Unmäßigkeit und Unordnung im Geschlechtsverkehre schaden hauptsächlich dem Manne. Die Frau, welche sich beim Beischlafe passiv verhält, kann in dieser Hinsicht viel mehr vertragen, als er. Die ersten Folgen der Unmäßigkeit sind Abnahme der Wollustempfindung beim Beischlafe, damit zusammenhängend Verzögerung des Eintrittes der Ejakulation, Verminderung der Kraft, mit welcher der Samen ausgeschleudert wird. Nach dem Beischlafe Gefühl der Verstimmung, der Ermüdung, der Mattigkeit in den Beinen, die länger und länger anhalten, je länger und ärger die Unmäßigkeit fortgetrieben wurde. Druck in der Lendengegend, nervöse Erregbarkeit, Gefühl von Druck im Kopf, von Eingenommensein des Kopfes, gestörter Schlaf, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Lichtscheu, zittriges Gefühl und wirkliches Zittern, Neigung zum Schwitzen sind weitere Erscheinungen. Es kann weiter Herzklopfen eintreten; Muskelschwäche, die sich schon in den schlaffen Mienen, in der schlaffen Haltung des geschlechtlich Ermüdeten und Erschöpften verrät; Unlust zu anhaltender, schwerer Arbeit und Unfähigkeit, sie zu leisten, Gedächtnisschwäche, Neurasthenie und Melancholie. Die Verdauungstätigkeit sinkt, die Ernährung wird schlechter, infolge davon Blutarmut und Schwächung der Widerstandskraft gegen äußere Schädlichkeiten, insbesondere gegen Infektionskeime und unter diesen wieder insbesondere gegen den Tuberkelbazillus. Auch der Geschlechtsapparat selbst funktioniert bald nicht mehr gut und weist die Erscheinungen der sogen. reizbaren Schwäche auf: die Erektionen verlieren an Kraft; bei unvollkommener Erektion oder alsbald nach der Einführung des Gliedes in die Scheide tritt die Ejakulation ein, ohne daß die Höhe des Wollustgefühles erreicht wurde; die Fähigkeit zum Beischlaf geht damit mehr und mehr verloren, nächtliche Pollutionen treten häufig auf und hinterlassen eine gesteigerte nervöse Erregung und Mattigkeit.
Die leichteren Störungen des Wohlbefindens gehen übrigens im allgemeinen rasch wieder vorüber, wenn Enthaltsamkeit geübt wird, wenn die Ernährung gut und die ganze sonstige Lebensweise den hygienischen Grundsätzen gemäß ist. Insbesondere erholen sich vollkommen geschlechtsreife, junge Männer, die von vornherein gesund und kräftig waren, von den Torheiten der Flitterwochen bald, wenn die Vernunft die Herrschaft wieder erlangt hat. Je länger die Exzesse gedauert haben, je schwächlicher das Individuum von vornherein war, umso schwieriger tritt volle Wiederherstellung ein. Am gefährlichsten wird die geschlechtliche Unmäßigkeit unreifen oder nicht voll erwachsenen Jünglingen sowie Männern, welche die Höhe des Lebens bereits überschritten haben; dauerndes Siechtum und Tod können ihre Folge sein.
Auch in der Ehe kommen Zeiten, in welchen vollständige Enthaltsamkeit geübt werden muß. Sie sind durch Rücksichten auf die Frau und auf die Nachkommenschaft unbedingt gefordert. Zur Zeit der Menstruation darf der Beischlaf nicht ausgeübt werden. Er verbietet sich übrigens für das feinere Empfinden von selbst durch den Zustand der weiblichen Geschlechtsteile. Während der Menstruation ist das Innere der Gebärmutter wund, der ganze Geschlechtsapparat des Weibes gereizt und mit Blut überfällt. Unter diesen Umständen ist wie bei allen Wundflächen die Gefahr vorhanden, daß eine Wundinfektion eintritt und diese dann zu Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Anhänge führt und so die Frau auf die Dauer krank macht. Diese Gefahr wird durch das Einführen des Gliedes in die Scheide sehr gesteigert.  Jedenfalls muß der Beischlaf während des Blutabganges unterbleiben, noch besser ist es, ihn auch während der darauffolgenden Woche zu unterlassen, bis die Innenfläche der Gebärmutter wieder vollkommen überhäutet ist.
Bei dieser Gelegenheit sei auch Ehemännern gleich der Rat erteilt, das Glied durch Waschungen immer rein zu halten, wobei insbesondere auf die Furche hinter dem Randwulst der Eichel und auf die Falten des Bändchens zu achten ist.
Ebenso soll die Frau die äußeren Geschlechtsteile, namentlich die Schamspalte rein halten. Sehr empfehlenswert ist es auch, einige Zeit nach vollzogenem Beischlafe mit Hilfe eines Irrigators und eines Mutterrohres die Scheide mit lauwarmer, schwächer Kochsalzlösung (1 Kaffeelöffel Kochsalz auf 1 Liter Wasser) auszuspülen. Dies darf aber nicht sogleich nach dem Beischlafe geschehen, da sonst die Empfängnis verhindert werden könnte. Der Irrigator und das Mutterrohr müssen rein gehalten und durch Einlegen in 2prozentige Lysollösung (20 c cm Lysol auf 1 Liter Wasser) vor dem Gebrauche desinfiziert werden. Die Kochsalzlösung soll abgekocht sein. Durch alle diese Maßregeln wird manchen Erkrankungen, namentlich dem sogen. weißen Flusse, vorgebeugt, einem Katarrhe der Scheide, der der Frau wie dem Ehemanne recht lästig werden kann.
Sehr vorsichtig muß man mit dem Beischlafe auch während der Schwangerschaft sein. Er darf nicht zu häufig und nie stürmisch ausgeführt werden. In den ersten Monaten der Schwangerschaft, namentlich bei Erstgebärenden, wird er am besten ganz unterlassen. Werden diese Vorschriften nicht beachtet, dann kommt es leicht zu Fehl und Frühgeburt, durch die nicht allein das Kind verloren geht oder geschädigt wird, sondern auch die Frau dauernden Schaden nehmen kann.
Unbedingt verboten ist der Beischlaf während des Wochenbettes, wenn nicht die Frau, deren innere Geschlechtsteile arg verwundet sind, schwerer Gefahr ausgesetzt werden soll. Auch bei ganz normalem Verlaufe des Wochenbettes soll mindestens 4 Wochen damit gewartet werden und auch dann noch ist weise Beschränkung dringend anzuraten.
Mit Rücksicht auf die Frau wie auf das Kind ist es eigentlich geboten, der Frau, die geboren hat, eine monatlange Schonzeit zu gewähren. Es ist für das Gedeihen des Kindes weitaus das beste, wenn es so lange als möglich an der Mutterbrust ernährt wird. Die Erfahrung lehrt aber, daß bei sexuell erregbaren Frauen durch Ausübung des Beischlafes, namentlich wenn er häufiger oder stürmisch unter größerer Aufregung erfolgt, die Milchabsonderung frühzeitig zum Stillstand kommen kann oder die Menstruation und damit zugleich die Befruchtungsfähigkeit trotz des Stillgeschäftes wieder eintritt. Für den Säugling wie für die Mutter ist es aber jedenfalls sehr schädlich, wenn es bald zu einer neuen Schwangerschaft kommt; für den Säugling, weil dann die Milchabsonderung bald unzureichend wird und aufhört; für die Mutter, weil die Frauen durch allzu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften überanstrengt werden, rasch verblühen und zu Krankheiten, insbesondere zu Tuberkulose, neigen. Auch werden bei zu rascher Geburtenfolge meist schwächliche Kinder geboren. Rascher als etwa alle 2½ Jahre sollten die Schwangerschaften nicht aufeinanderfolgen, wenn die Frau bei voller Kraft und Gesundheit bleiben und einer kräftigen Nachkommenschaft das Leben schenken soll.