Direkt zum Hauptbereich

Posts

E. Jouy - Sappho oder die Lesbierinnen

E. Jouy - Sappho oder die Lesbierinnen


NACH einem ausgiebigen Bummel durch die ChampsElysées an einem jener herrlichen Frühlingstage, an denen Lebenslust und Liebreiz der Natur in gleichem Maße alles, was die Weltstadt Paris an Frauenschönheit aufzubieten vermag, zu diesen freundlichen Stätten ziehen, hatten Arthur und Karl in nur geringer Entfernung von der menschendurchfluteten Allee ein Plätzchen gefunden.
»Wie ich dir dankbar bin,« begann Karl zu seinem Freunde gewandt, »daß du mir die Augen über Déidamie öffnetest. Ohne dich wäre ich blindlings in ihre Falle gegangen. Die Dichter haben ganz recht, wenn sie die Liebe mit verbundenen Augen darstellen!«
»Genieße und du wirst ihr die Binde herabreißen. Sieh, Karl, mit der Liebe ist es wie mit der Furcht: man wird von beiden geheilt, ist man dem Gegenstande seiner Zuneigung oder Bangnis nur genügend nahe. Du hättest mir sicher nicht deine Hilfe angedeihen lassen, wenn du es nicht gewesen wärest, der mich in die Arme der Schönen getrieben…
Letzte Posts

E. Kotanyi - Laura Farina

E. Kotanyi (Else Jerusalem) - Laura Farina



Das Unglaublichste geschah. Laura Farina errötete. Ihre bleiche, königliche Stirne überzog sich mit purpurner Glut, die Lippen wurden ernst und schweigsam, wie von Gottes Finger gezeichnet. Das ewige Leuchten des Triumphes erstarb in ihren Augen, und zum erstenmal zeigte sich in ihrem Gesicht, das gebrochen und hilflos aussah, der Schmerz. Um das zu begreifen, muß man Laura Farina kennen, wie ich sie kannte. Sie war das schönste Weib in Italien. Wo sie ging, schien die Sonne heißer, heller vom Himmel zu strahlen, wenn sie lachte, klang es wie der melodische Gesang dir Nachtigallen, und wer in ihr Gesicht blickte, verlor für Augenblicke seine Sehnsucht. Man drängte sich um ihren Wagen, warf Rosen und Epheu in ihren Schoß und jubelte ihr zu mit der ganzen, naiven Begeisterung eines im Schönheitskultus erzogenen Volkes. »La divina« riefen sie ihr freudig entgegen, wenn sie mit kleinen, flüchtigen Schritten durch die Gassen ging, und Männer und Fr…

Peter Altenberg - Ein wirklicher Brief an ein wirkliches zwölfjähriges Mädchen

EIN WIRKLICHER BRIEF AN EIN WIRKLICHES ZWÖLFJÄHRIGES MÄDCHEN. (Aus dem Cyklus »Das Leben selbst«.) Von PETER ALTENBERG (Wien).
Piroska, meine Liebe, Sie werden natürlich das durchaus nicht verstehen, was ich hiemit zu Ihnen sage und vielleicht wird es Ihnen auch niemals erklärlich werden.
Denn Sie beginnen den Weg, welchen ich bereits zu Ende gegangen zu sein das Vergnügen habe.
Jawohl, das Vergnügen!
Denn ich habe das Vergnügen, meine Seele, meinen Geist, auf ziemlich unwegsamen Pfaden bereits dorthin gebracht zu haben, wo dieselben ausruhen dürfen von den Strapazen und einen gewissen Überblick haben über das Land, das Land der Träume, der Realitäten und der überflüssigen Emotionen! Ich wiederhole Ihnen, Piroska, meine Liebe, dass Sie diese Dinge auch späterhin nicht erklärlich finden könnten, niemals; denn die Wege des Mädchens und der Frau pflegen dort gerade abzubrechen, wo eben die Pfade unserer Weisheiten beginnen!
Nun, Piri, mein Liebling, das möchte ich Dir mittheilen, dass alles Ju…

Des Perlenfischers Töchterlein

Des Perlenfischers Töchterlein.





In Bayern ist ein Ländlein, heißt die Steinpfalz. Nun ist aber kein Ding auf der Welt ohne Grund, und so mag denn auch Niemand diesem Ländlein den Vorwurf machen, daß es seinen Namen nicht mit Fug und Recht trage. Vom böhmischen und bayerischen Walde her streichen zwei Granitarme, längs der Donau einer, und der andere nördlicher gegen Untergang zu, und bilden in ihrem Schooße einen freundlichen Thalgrund, benetzt von den braunen, geruhigen Wellen des Regenflusses. Aber nicht nur im Gebirge thürmen sich die Felsblöcke zu wundersamen, eigenthümlichen Gestaltungen auf, daß der Wandersmann sie für zerfallene Burgen oder Kirchen, allenfalls selbst für versteinerte riesige Menschengestalten ansehen möchte; auch in der Ebene liegen allenthalben die Granittrümmer zerstreut, als wäre hier der Schauplatz gewesen, wo weiland die Giganten mit Felsblöcken die Himmelsburg erstürmen wollten. Seit Jahrtausenden arbeiten Sturm und Regen an diesen steinernen Wahrzeichen,…

Wunderbarliche Historie von einer Mondfahrt

Wunderbarliche Historie von einer Mondfahrt.
Es war einmal ein Wundermann, Der hat ’ne Fahrt zum Mond gethan; Die Erd’, sie däucht ihm viel zu kahl, Und was sie gibt, nur fahl und schal! Flugs stellt er sich ’ne Leiter an, Und steigt von Sproß zu Sproß hinan, Und stürzt nach jedem letzten Tritt Die Leiter um zum Weiterschritt. Und so, nach Syllogismen-Art, Fördert sich denn die kühne Fahrt; Zuletzt legt er, in guter Ruh, Sein Schifflein in dem Hafen zu. — Doch auf den schwindelichten Höh’n, Da mocht er weder geh’n noch steh’n, Hielt er sich nicht am Mondeshorn, Der arme Mensch, er wär’ verlor’n. D’rum kehrt er gleich — mit gutem Glück — Zur Leiter wiederum zurück, Anknüpfend sie, von Stuß zu Stuß, Am eignen End’, wie ’nen Kettenschluß. — Ankommt er; und die Menschenschaar Bringt laute Huldigung ihm dar, Und horcht, was der beredte Mund Von blauen Wundern thäte kund. Und also spricht der Wundermann: »Ihr guten Leute lobesan, »Ihr, die ihr lebt im ird’schen Licht, »Versuchet ja die Götter nicht! »Denn droben dort i…