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Es werden Posts vom November, 2011 angezeigt.

O junge Mädchenherrlichkeit - Rückblick eines alten Burschen

O junge Mädchenherrlichkeit


O junge Mädchenherrlichkeit
Welch neue Schwulitäten!
Bezieht ihr alle weit und breit
Die Universitäten!
Vergebens spähe ich umher,
Ich finde keine Hausfrau mehr!
O jerum, jerum, jerum
O quae mutatio rerum!


Die Nähmaschin’ bedeckt der Staub;
Es sank der Herd in Trümmer;
Der Kessel ward des Rostes Raub,
Verblichen ist sein Schimmer.
Die Wäsche gibt man aus dem Haus
Und beizt mit Chlor die Flecken aus.
O jerum, jerum, jerum
O quae mutatio rerum!



Wo sind sie, die beim Kaffeekranz
Nicht wankten und nicht rückten,
Die ohn’ Latein bei Scherz und Tanz
Die Herr’n der Erd’ entzückten?
Jetzt komm’n sie ihnen ins Geheg
Und wandern früh in das Kolleg.
O jerum, jerum, jerum
O quae mutatio rerum!



Da forscht mit glüh’ndem Angesicht
Die ein’ in Quellenschriften,
Die andre Frauenrecht verficht,
Und die hantiert mit Giften.
Sie alle hat der Wissensdrang
Hinaus gelockt aus altem Zwang.
O jerum, jerum, jerum
O quae mutatio rerum!



Hier beugt ein dunkler Lockenkopf
Sich über’s Corpus iuris,
Die mit dem blonden Moz…

Ruth Margarete Roellig - Die Frau zwischen den Säulen

Abigail war ein Traum in Rosenblätter eingehüllt . . .
— Vor zwei Jahren hatte Fürst Irmo sie von ihrem Vater zur Gemahlin gefordert, sie, die noch ein Kind war mit ihren sechzehn Jahren. Er liebte den Frühling, der alte, lebenskundige Irmo, und ihre Jugend deuchte ihn köstlicher als alle seine Juwelen. Und seine Augen weideten sich an ihrer süßen Schönheit. — — —
Ihr Haar war glänzend schwarz und hing ihr in langen Flechten über den Rücken, und mit leicht geneigten Schultern schleppte sie die schwere Pracht ihrer kostbaren Gewänder durch die weißen Säulenhallen, die sich um den Palast herumzogen.
Noch niemals war sie hinausgekommen aus der Welt, die sie hier umschloß — ganz von fern nur leuchtete ihr die Sonne in das Dasein . . . Rings um die Gelände des fürstlichen Wohnsitzes breiteten sich Gärten aus von Rosen. In ganzen Plantagen wuchsen sie, knospeten, entfalteten sich in allen Farben und Arten, weiß, gelb, rosa bis zum satten, tiefen Not.
Und in den lauen Juninächten, wenn Abigail m…

Emilie Mataja – Kindheit ein – Paradies

Kindheit ein – Paradies

Sie ist schlecht geworden. Und niemand hat sich darüber gewundert. Ja, alle haben es kommen sehen. Kaum sechzehn Jahre alt, zählte sie schon zu den Verlorenen, und das verdankte sie ihrer Kindheit, jenem Paradiese, von welchem wir soviel singen und sagen hören. Je nun Für viele ist's ja ein Paradies, nach welchem sie in späterer Zeit, wenn die Pforten längst geschlossen sind, voll Sehnsucht und Rührung zurückschauen. Vaterliebe und Mutterzärtlichkeit, Kindheit, Unschuld und kindliche Freuden. Wie gern und wie voll Rührung denkt man daran, wenn Vater oder Mutter nicht mehr sind, und die kindlichen Freuden sich in große Sorgen umgewandelt haben. Aber dieses Paradies ist nicht für alle. Und sie, die junge Verlorene, würde die Augen weit aufgerissen haben, wenn jemand ihr hätte einreden wollen, daß die Kindheit das Paradies des Lebens sei. »Daß ich ihn nicht auslache, den elenden Lügner« Das würde ihre Antwort gewesen sein.


Im Findelhaus zu Wien ist sie zur Welt …