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Es werden Posts vom August, 2012 angezeigt.

A. v. Plankenberg - Nur ein Mädchen.

A. v. Plankenberg : »Nur ein Mädchen.«NovelletteFrauenleben (vorm. Neuzeit): Blätter zur Vertretung der Frauen-Interessen, 6.Jg., Nr.3,4, 1894In der Familie des reichen Fabriksbesitzers Lenhold wurde der Ankunft eines zweiten Kindes entgegengesehen; Alles war voll banger Erwartung, da man wußte, daß Herr Lenhold auf das Lebhafteste einen Stammhalter und Erben ersehnte. Die Gesundheit der jungen Frau war eine sehr zarte und rechtfertigte die Besorgnisse der Ärzte vollauf. Elli, das erstgeborene Töchterchen, ein liebes, aber schwächliches Kind, hatte das dritte Jahr zurückgelegt, als abermals die Hoffnung, Vater eines Sohnes zu werden, dem inzwischen auf dem Gipfel des Glückes und Ansehens gelangten Mann winkte. Er umgab seine Gattin mit der zärtlichsten Aufmerksamkeit und ängstigte nicht wenig ihr Gemüth durch die bei jeder Gelegenheit in allen Tonarten wiederholte Mahnung »Schenk' mir einen Sohn, Louise - Nur kein Mädchen, keine zweite Tochter Ich brauche einen Erben und künftigen …

Marie Eugenie delle Grazie – Seelenfrühling

Marie Eugenie delle Grazie – Seelenfrühlingaus : Das Buch des Lebens - Erzählungen und Humoresken Verlag von Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1914
Sie stand an ihrem Toilettetisch und verteilte mit zitternden Händen die Rosen in die Vasen  die Rosen, die er ihr gesandt. Große, dunkelrote Blüten waren es, auf denen ein violetter Sammetglanz lag; volle und erst halbgeöffnete, alle aber wie genickt von der eigenen Schwere, wie betäubt von dem eigenen Duft. Blumen, die das Begehren gesucht, bevor die Hand sie da und dort herausgegriffen.

Ihr Gatte saß hinter ihr und schlürfte seinen Nachmittagskaffee. Als sie über die Rosen weg in den Spiegel sah, begegnete ihr sein Blick darin. »Herrliche Blumen«, nickte er. »Aber weißt du, wenn es nicht Albert wäre  Ihr Blick flüchtete zu den Blumen herab, verkroch sich förmlich in die dunklen Kelche. Etwas von dem purpurnen Widerschein der Blüten überhauchte leise, kaum merkbar ihre Wangen  »Nur jetzt unbefangen bleiben«, dachte sie  »Jetzt, wo das Glück …