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Posts

Es werden Posts vom 2009 angezeigt.

Aus unserer (bislang noch kleinen) Märchensammlung

Brüder Grimm - Die weisse Schlange






Es ist nun schon lange her, da lebte ein König dessen Weisheit im ganzen Lande berühmt war. Nichts blieb ihm unbekannt, und es war als ob ihm Nachricht von den verborgensten Dingen durch die Luft zugetragen würde. Er hatte aber eine seltsame Sitte. Jeden Mittag, wenn von der Tafel alles abgetragen und niemand mehr zugegen war, mußte ein vertrauter Diener noch eine Schüssel bringen. Sie war aber zugedeckt, und der Diener wußte selbst nicht was darin lag, und kein Mensch wußte es, denn der König deckte sie nicht eher auf und aß nicht davon bis er ganz allein war. Das hatte schon lange Zeit gedauert, da überkam eines Tages den Diener, als er die Schüssel wieder wegtrug, die Neugierde so heftig, daß er nicht widerstehen konnte, sondern die Schüssel in seine Kammer brachte. Er verschloß die Thüre sorgfältig, hob den Deckel auf, und da sah er daß eine weiße Schlange darin lag. Bei ihrem Anblick konnte er die Lust nicht zurückhalten, sie zu kosten; er schni…

Carmen Sylva

Zum Jahresabschluß stellt Ihnen ngiyaw eBooks Werke von Carmen Sylva, der dichtenden Königin von Rumänien, vor.

Es werden Ihnen neben ihren eigenen Dichtungen auch Übertragungen zu rumänischen Autoren dargeboten werden.
Zu den Transkriptionen wird ngiyaw eBooks auch zahlreiche Digitalisate sowohl ihrer deutschen Werke als auch ihrer Werke in rumänische Sprache zur Verfügung stellen.

Lesenswert - es sind Perlen darunter.

Friedrich Schillers 250. Geburtstag

10. November 1759 in Marbach am Neckar - † 9. Mai 1805 in Weimar

Die deutschsprachige Wikisource hat es mal geschafft zu einem bedeutenden Jahrestag eines Schriftstellers den LeserInnen eine üppige Auswahl aus seinem Werk anzubieten.
Sorgfältig editiert und wissenschaftlich verwertbar, wie es bei der deutschsprachigen wikisource (fast) immer erwartet werden kann.
Sie finden die verfügbaren Werke HIER.

Nachfolgend nur ein Überblick über die bereits transkribierten und in Vorbereitung befindlichen Texte mit den dazugehörigen Digitalisaten bei wikisource:
    * 1776: Der Abend (Erstveröffentlichung im Schwäbischen Magazin)
    * 1781: Die Räuber (anonymer Erstdruck)
    * 1781: Die Blumen
    * 1782: Anthologie auf das Jahr 1782 (Hrsg.)
    * 1783: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
    * 1784: Kabale und Liebe GDZ Göttingen
    * 1784: Ankündigung der „Rheinischen Thalia“
    * 1785-91: Thalia (Hrsg.)
          o 1785: Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken?
       …

Maria Janitschek - Die neue Eva

aus dem Novellenband - Die neue Eva

Biographie und Download als pdf und auch in anderen Formaten bei ngiyaw eBooks 
Vorschau als Flash-File (klicken Sie auf das Cover)




In Schönheit
Sie war schön wie das Mondlicht, das auf einem stillen Teich spielt. Man sprach leiser in ihrer Gegenwart und dämpfte seine lebhaften Gebärden.
Sie hieß Liane von Immen, und niemand konnte ihr beweisen, daß sie nicht so hieß, denn niemand hatte ihren Taufschein gesehen. Sie besaß nicht die plumpe Berühmtheit, durch ein Buch, das sie geschrieben, oder einen neumodischen Kleiderschnitt, den sie erdacht, im Meyer oder Brockhaus mitsamt der Angabe ihres Lebensalters der Welt vorgestellt zu werden. Sie blieb ein Geheimnis. Nur denen, die ihr wert waren, offenbarte sie sich in einer wunderbaren lichtblauen Nacht.
Sie führte eine alte Frau bei sich, die sie bediente und die irr war. Sie war wirklich irr. Berühmte, nüchterne Nervenärzte hatten es bestätigt. Irgend etwas im Leben hatte sie um den Verstand gebracht. Li…

Kurt Tucholsky ( Ignaz Wrobel ) - Altbewährte Esel

Altbewährte Esel

Es gibt überhaupt nur noch »altbewährte Fachleute«. Wir haben alte bewährte Segelflieger (3 Jahre Praxis), bewährte alte Radiofachleute (2 Jahre) – wenn sie alle zusammen über Berufliches reden, so quatscht das, daß ihnen die Schnauze schäumt, und wenn sie gar noch so sprechen können, wie es im amtlichen Bericht steht: so unpersönlich, so darüber stehend, so vornehm abgeklärt, dann strahlen sie über das ganze Antlitz. Etwa so:

»Gestern abend wurde in der Wohnung des Berufszwerges Jakob Nietzke von dem diensthabenden Sohn Nietzkes, dem acht Jahre alten Fridolin, das dortige Wasserleitungsrohr als verstopft gemeldet. Die Meldung lief bei Frau Nietzke abends 9.10 Uhr ein.

Frau Nietzke gab die Meldung sofort ihrer Hausangestellten Fräulein Anna Koschmann weiter, die allerdings, da sie keinen Dienst mehr hatte, Weiteres zunächst nicht veranlassen konnte. Der gegen halb zwölf Uhr von ernster Berufspflicht aus der ›Scala‹ heimgekehrte Ehemann Nietzke wurde gleich nach seiner…

Alexander Moszkowski - Der Begriff der »Unmöglichkeit« (75. Todestag)

Alexander Moszkowski
Der Begriff der »Unmöglichkeit«

Anaxagoras hatte die Behauptung aufgestellt, die Sonne sei größer als der Peloponnes. Unmöglich! rief ihm die Auslese der zeitgenössischen Intelligenz entgegen. In der Schule der Pythagoräer stiegen vorkopernikanische Ahnungen auf, die vage Erkenntnis von der Bewegung der Erde innerhalb des ruhenden Firmamentes. Diese Ahnungen konnten sich gegen das »Unmöglich!« eines Plato, eines Archimedes, eines Hipparch, gegen das »Höchst lächerlich!« eines Ptolemäus nicht durchsetzen. Das »Unmöglich« der Kurie war im ersten Anlauf stärker als das wissenschaftliche Bekenntnis des Galilei. Als Lavoisier seine Elemententheorie entwickelte, flog ihm aus der Mitte der französischen Akademie das »Unmöglich« an den Kopf; und Lavoisier selbst war wiederum schnell mit seinem »Unmöglich« auf dem Plan, als die Behauptung, Meteore könnten vom Himmel fallen, ihm nicht einleuchten wollte. Die erste Beobachtung der Sonnenflecken löste bei den Gelehrten ein vie…

Marianne Hainisch - Die Weltpropaganda für den Frieden

Bild (Marianne Hainisch) aus dem Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Weltpropaganda für den Frieden
Marianne Hainisch

Frauenzeitung, 5. Mai 1924


Vor uns liegt das letzte Bulletin der »Internationalen Frauenlige für Freiheit und Frieden«. Es wurde der »Neuen Freien Presse« zugesendet, und wir nehmen Anlaß, es jetzt zu besprechen, wo in Washington und London hochinteressante Frauenkongresse stattfinden, die Frauen aus allen Weltgegenden zur Friedenspropaganda sammeln.
Wie wenig weiß man und wie wenig kümmert man sich in Oesterreich um eine Bewegung, die von höchstem Interesse für die ganze Menschheit ist. Früher oder später, einmal wird sie allgemein werden, und wird der Welt das Heil eines vertrauenswürdigen Friedensgerichthofes, das Recht an Stelle der Gewalt bringen. Man wird dann nicht vergessen dürfen, daß viele ausgezeichnete Männer Mitarbeiter waren, aber die Frauen werden das Verdienst haben, der Barbarei Einhalt getan zu haben.
In der Einladung zur Internationalen…

Aloisia Kirschner (Ossip Schubin) - Die Schlange

Jules Joseph Lefebvre  - Mary Magdalene In The Cave

Aloisia Kirschner -  Die Schlange



Der Sommer lag im Sterben! Gleich unheilkündender Fieberröte, die über die Wangen todkranker Menschen huscht, durchflackerte brennendes Rot die sich lichtenden Wälder. Die Luft war feucht und lau und aus dem faulenden Laub auf dem Boden stieg ein süßer, unheimlicher Duft — ein Duft, welcher zum Leben aufreizte und der Verwesung entstammte. Die Rosen blühten noch überschwänglich an Büschen, die schon begonnen hatten ihre Blätter zu verlieren. —
Die Sonne war im Sinken, und der Himmel mit grauen Dünsten bedeckt. Aus einem Wirtsgarten tönte Musik. Dort dröhnten die Trompeten und schnarrten die Geigen, und lustige Bursche und Mädel drehten sich im Kreise und tanzten jubelnd auf dem welken Gras.
Am Gartenzaun, sehnsüchtig hinüberspähend nach dem munteren Reigen, stand einsam und verlassen ein Dirnlein in einem weißen Kleide mit einem Blumenkranz auf dem Haupt. Sie war gar schön von Angesicht, aber der Sau…

Mehr über die Blutgräfin - Abschrift des Zeugen-Verhörs

Abschrift des Zeugen-Verhörs in Betreff der grausamen That, welcher Elisabeth v. Báthori, Gemahlinn des Grafen Franz Nádasdy beschuldiget wird. 1611.
6tens. Wer waren die Werkzeuge bei dieser Peinigung und Ermordung?

Antw. Außer diesen drei Weibern, ist eine zu Cheite, Frau Helene, genannt die kahle Kutscherinn, auch die marterte die Mädchen. Die Frau selbst stach sie mit Nadeln, wenn sie mit ihrer Strickerey nicht fertig wurden. Nahmen sie ihr die Haarwickeln nicht aus, brachten sie ihr nicht Feuer herauf, legten sie ihr die Schürze nicht zurecht: so wurden sie von den alten Weibern sogleich in die Marter-Kammer gebracht und zu Tode gepeiniget. Selbst mit dem Kräusel-Eisen brannten die alten Weiber und sie selbst den Mund, die Nase, das Kinn der Mädchen. In den Mund derselben steckte sie ihre Finger, und zog ihn auseinander. Wenn sie mit ihrer Nätherey bis 10 Uhr nicht fertig waren; so wurden sie gleich in die Folterkammer gebracht. Auch zehnmal des Tages führte man sie zur Marter, wi…

Elisabeth Báthory - Eine wahre Geschichte

Mal kurz in der Pause gelesen:
Wenn Grausamkeit und Blutdurst den Mann entehren, ihn dem allgemeinen Abscheu Preis geben, und mit dem Fluch der beleidigten Menschheit brandmarken; so findet die Sprache keinen Ausdruck, die Gefühle der empörten Natur zu bezeichnen, wenn ein Weib diesen unnatürlichen Trieben fröhnt.weiterlesen Transkription von der deutschsprachigen wikisource - dort finden Sie auch die dazugehörigen Digitalisate. Das ePub oder pdf können Sie hier herunterladen.

Lou Andreas-Salomé – Die Erotik

Leseprobe aus Die Erotik DAS EROTISCHE WAHNGEBILDE
Nun ist es interessant zu sehn, wie grade an diesem Punkt das Thema des Erotischen am stiefmütterlichsten behandelt wird. Allerdings enthält diese Geistesbeteiligung am Liebesrausch so viel – Rausch, so deutliche Symptome der Trunkenheit, daß kein Ausweg zu bleiben scheint, als sie auf romantisches Terrain abzuschieben, oder als einigermaßen pathologisch zu beargwöhnen. Dieser wunde Punkt an der ganzen Geschichte wird meistens nur so berührt, wie wenn die Narrenkappe, die unser Verstand hier zeitweilig aufsetzt, davon abhielte, seinen Zustand selber ernst zu nehmen. Im allgemeinen begnügt man sich damit, die Sexualität unter die Lupe zu halten wie sie lokalisiert erscheint in den niedern Hirnzentren, und dann ihr das Gefühlsmaterial unerotischer Art anzugliedern, das, Gott sei Lob und Dank, sich allmählich ja auch mit ihr zusammentut, wie etwa Wohlwollen, Güte, Freundschaft, Pflichtbewußtsein und ähnliches, Diese alle werden durch die i…