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Es werden Posts vom September, 2009 angezeigt.

Alexander Moszkowski - Der Begriff der »Unmöglichkeit« (75. Todestag)

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Alexander Moszkowski - Der Begriff der »Unmöglichkeit« 

Der Begriff der »Unmöglichkeit«
Anaxagoras hatte die Behauptung aufgestellt, die Sonne sei größer als der Peloponnes. Unmöglich! rief ihm die Auslese der zeitgenössischen Intelligenz entgegen. In der Schule der Pythagoräer stiegen vorkopernikanische Ahnungen auf, die vage Erkenntnis von der Bewegung der Erde innerhalb des ruhenden Firmamentes. Diese Ahnungen konnten sich gegen das »Unmöglich!« eines Plato, eines Archimedes, eines Hipparch, gegen das »Höchst lächerlich!« eines Ptolemäus nicht durchsetzen. Das »Unmöglich« der Kurie war im ersten Anlauf stärker als das wissenschaftliche Bekenntnis des Galilei. Als Lavoisier seine Elemententheorie entwickelte, flog ihm aus der Mitte der französischen Akademie das »Unmöglich« an den Kopf; und Lavoisier selbst war wiederum schnell mit seinem »Unmöglich« auf dem Plan, als die Behauptung, Meteore könnten vom Himmel fallen, ihm nicht einleuchten wollte. Die erste Beobachtung der Sonnenfle…

Marianne Hainisch - Die Weltpropaganda für den Frieden

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Bild (Marianne Hainisch) aus dem Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Weltpropaganda für den Frieden
Marianne Hainisch

Frauenzeitung, 5. Mai 1924


Vor uns liegt das letzte Bulletin der »Internationalen Frauenlige für Freiheit und Frieden«. Es wurde der »Neuen Freien Presse« zugesendet, und wir nehmen Anlaß, es jetzt zu besprechen, wo in Washington und London hochinteressante Frauenkongresse stattfinden, die Frauen aus allen Weltgegenden zur Friedenspropaganda sammeln.
Wie wenig weiß man und wie wenig kümmert man sich in Oesterreich um eine Bewegung, die von höchstem Interesse für die ganze Menschheit ist. Früher oder später, einmal wird sie allgemein werden, und wird der Welt das Heil eines vertrauenswürdigen Friedensgerichthofes, das Recht an Stelle der Gewalt bringen. Man wird dann nicht vergessen dürfen, daß viele ausgezeichnete Männer Mitarbeiter waren, aber die Frauen werden das Verdienst haben, der Barbarei Einhalt getan zu haben.
In der Einladung zur Internationalen…

Aloisia Kirschner (Ossip Schubin) - Die Schlange

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Jules Joseph Lefebvre  - Mary Magdalene In The Cave

Aloisia Kirschner -  Die Schlange



Der Sommer lag im Sterben! Gleich unheilkündender Fieberröte, die über die Wangen todkranker Menschen huscht, durchflackerte brennendes Rot die sich lichtenden Wälder. Die Luft war feucht und lau und aus dem faulenden Laub auf dem Boden stieg ein süßer, unheimlicher Duft — ein Duft, welcher zum Leben aufreizte und der Verwesung entstammte. Die Rosen blühten noch überschwänglich an Büschen, die schon begonnen hatten ihre Blätter zu verlieren. —
Die Sonne war im Sinken, und der Himmel mit grauen Dünsten bedeckt. Aus einem Wirtsgarten tönte Musik. Dort dröhnten die Trompeten und schnarrten die Geigen, und lustige Bursche und Mädel drehten sich im Kreise und tanzten jubelnd auf dem welken Gras.
Am Gartenzaun, sehnsüchtig hinüberspähend nach dem munteren Reigen, stand einsam und verlassen ein Dirnlein in einem weißen Kleide mit einem Blumenkranz auf dem Haupt. Sie war gar schön von Angesicht, aber der Sau…

Mehr über die Blutgräfin - Abschrift des Zeugen-Verhörs

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Abschrift des Zeugen-Verhörs in Betreff der grausamen That, welcher Elisabeth v. Báthori, Gemahlinn des Grafen Franz Nádasdy beschuldiget wird. 1611.
6tens. Wer waren die Werkzeuge bei dieser Peinigung und Ermordung?

Antw. Außer diesen drei Weibern, ist eine zu Cheite, Frau Helene, genannt die kahle Kutscherinn, auch die marterte die Mädchen. Die Frau selbst stach sie mit Nadeln, wenn sie mit ihrer Strickerey nicht fertig wurden. Nahmen sie ihr die Haarwickeln nicht aus, brachten sie ihr nicht Feuer herauf, legten sie ihr die Schürze nicht zurecht: so wurden sie von den alten Weibern sogleich in die Marter-Kammer gebracht und zu Tode gepeiniget. Selbst mit dem Kräusel-Eisen brannten die alten Weiber und sie selbst den Mund, die Nase, das Kinn der Mädchen. In den Mund derselben steckte sie ihre Finger, und zog ihn auseinander. Wenn sie mit ihrer Nätherey bis 10 Uhr nicht fertig waren; so wurden sie gleich in die Folterkammer gebracht. Auch zehnmal des Tages führte man sie zur Marter, wi…

Elisabeth Báthory - Eine wahre Geschichte

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Mal kurz in der Pause gelesen:
Wenn Grausamkeit und Blutdurst den Mann entehren, ihn dem allgemeinen Abscheu Preis geben, und mit dem Fluch der beleidigten Menschheit brandmarken; so findet die Sprache keinen Ausdruck, die Gefühle der empörten Natur zu bezeichnen, wenn ein Weib diesen unnatürlichen Trieben fröhnt.weiterlesen Transkription von der deutschsprachigen wikisource - dort finden Sie auch die dazugehörigen Digitalisate. Das ePub oder pdf können Sie hier herunterladen.

Lou Andreas-Salomé – Die Erotik

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Leseprobe aus Die Erotik DAS EROTISCHE WAHNGEBILDE
Nun ist es interessant zu sehn, wie grade an diesem Punkt das Thema des Erotischen am stiefmütterlichsten behandelt wird. Allerdings enthält diese Geistesbeteiligung am Liebesrausch so viel – Rausch, so deutliche Symptome der Trunkenheit, daß kein Ausweg zu bleiben scheint, als sie auf romantisches Terrain abzuschieben, oder als einigermaßen pathologisch zu beargwöhnen. Dieser wunde Punkt an der ganzen Geschichte wird meistens nur so berührt, wie wenn die Narrenkappe, die unser Verstand hier zeitweilig aufsetzt, davon abhielte, seinen Zustand selber ernst zu nehmen. Im allgemeinen begnügt man sich damit, die Sexualität unter die Lupe zu halten wie sie lokalisiert erscheint in den niedern Hirnzentren, und dann ihr das Gefühlsmaterial unerotischer Art anzugliedern, das, Gott sei Lob und Dank, sich allmählich ja auch mit ihr zusammentut, wie etwa Wohlwollen, Güte, Freundschaft, Pflichtbewußtsein und ähnliches, Diese alle werden durch die i…