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Johanna Siebel - Der rechte Rat

Bild
Adolf Hölzel Komposition 1920s
Ein Mensch hatte ein Bild, das stellte eine Frau von himmlischer Schönheit dar. Und der Mensch lag in Anbetung vor dem Bilde und trank die Fülle des Glücks aus seinem Anblick. Er trug der Blumen lieblichste h.erbei, auf daß fte das Bild schmückten und, mit süßen Düften umschmeichelten. Mit den süßen Düften stiegen die flehenden Worte, die beschwörenden Bitten des Menschen zu dem Bilde empor: »Bleibe mir, was du bist! Ich müßte verderben, würde deine Schönheit und Reinheit auch durch einen Hauch nur getrübt! Mein Glaube du! Mein Ein und mein Alles!« — So war das Entsetzen des Menschen denn über alle Beschreibung groß, als er eines Tages einen häßlichen grauen Flecken auf dem Bilde entdeckte, an der Stelle, wo das Herz sitzt. Er dachte, seine Sinne äfften ihn, und der sei eine scheußliche Vorspiegelung seiner furchtberührten Phantasie. Er rieb die Augen, er sah genauer hin; kein Zweifel, der Fleck war da, die schmutzige Stelle bestand. Da schloß der Mensch …