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Maximiliane Ackers - Komfort

Komfort (1926)

Durch die drei kleinen blanken Fenster funkelte der Morgen, lachte und flimmerte die Sonne; sie sprühte über die blaue Zimmerwand, daß goldene Lichtkringel über sie hintanzten, und einer davon just wie ein lebendiges, feines Filigranrähmlein über dem glasgemalten Muttergottesbild blieb, das in seiner tirolerischen Einfachheit mit seinem Schwertdurchbohrten Herzen als einziger Schmuck der Stube dort hing über dem derben Bauernbett mit seinen hochgetürmten Federnen. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Eckbrett mit einem Rattunvorhang, eine kleine Waschgelegenheit — mehr stand nicht in dem Zimmer. Aber die Aussicht! Der Weg über die Hügel, die leise Schwermut der Vorberge, der silberblaue Schimmer über den Hochwaldtannen; klar und fern, in blendendem Licht, Gipfel an Gipfel im ewigen Schnee. Drüben brandrote Schrofen, grüne Almen und Wiesen — Blumen in buntester Fröhlichkeit bis zum Wegrain herunter und bis zum Haus, tief drunten das Kirchdorf, das Tal und die blaue Ferne. . . . Eine Aussicht, wie sie in ihrer Farbigkeit und verhaltenen Kraft nicht anmutiger, nicht verschwenderischer selbst vor einem Königschloß gebreitet liegen konnte. »Wenn sie nur etwas Komfort hätten . . .«, hatte eine der Damen gemeint. »Ja freili . . .« Der Sepp drehte verlegen seinen Hut in der Hand. Wenn er nur wüsste, was das sei, Komfort . . . »Wann’s nur amol deutlich reden taten, die Sommerfrischler«, grübelte er, »daß man’s nachher verstehen könnt’! Alleweil die sakrischen, modischen Ballawatschen . . .« und dann sagte er plötzlich mit einem krampfhaften Lächeln: »O mei, z’weng den — den Kofor da — net wahr? — brauchen’s Eana net furg’n. Dös schaff i! —« Und ging abends zum Forstmeister, daß der ihm erkläre, was die Stadtleut’ unter »Komfort« meinten, wessen die bedürftig seien, was in Hotels und Pensionen »geboten« würde. Da riß denn der alte, biedere Sepp, der nie aus seiner Einsamkeit herausgekommen, das Maul weit auf vor lauter Verwunderung.
»Aber dös, Freunderl,« renommierte der Forstmeister, »dös is’s allerfeinste! Drunt in Berchtesgaden im Grandhotel, da haben’s das Häuserl (die Toilette) ganz und gar mit Spiegeln ausg’legt! — Dös is dir a Pracht! —«
»Was? Spiegeln? Zweng was den Spiegeln?« — »Von oben bis unten . . .«
»Aber zu den G’schäft drin? Was sechen’s (sehen sie) denn nacher da Interessant’s?«
»Woas i? — D’Stadtleut’ sechen halt.« »A Sauerei is’! — schrie der Sepp. »A Sündü« — »Ageh, du Dorftrottel! Muaßt halt a awengerl fortschrittlich sein!« Auf dem Heimweg ist’s dann dem Sepp, der alten ehrlichen Haut, genau ergangen, wie’s der Pfarrer von der Kanzel prophezeit hatte: wehrlos den Dämonen der Großstadt ausgeliefert und ihrer sündhaften Verderbnis, schien ihm seine arme Seele schon verloren. — Wie soll er, sagte seine Alte, bei der Nacht so jämmerlich geächzet und gestöhnt haben . . . träumte ihm doch, unzählige Türen, eine jede mit dem den verschwiegenen Ort kennzeichnenden Herzen, schwebte auf ihn zu und hinter einer jeden sah er Dinge . . . Dinge gespiegelt, wie sie nicht schrecklicher und sündhafter vom Teufel erdacht worden waren zur Verfluchung des Hl. Anton. — Indessen, der Sepp war ein Mann und der Komfort mußte her. Man sah ihn gen Berchtesgaden wandern und von dort wieder heimkehren. Er verschwand hinter der »beherzten« Türe, hämmerte ein Weilchen herum . . . trat dann entschlossen den Weg zur Post an und schrieb dortselbst folgende Karte an die Damen in der Stadt:
»Gne Frau! Alsdann, Sie kenan die Zimer habn für zwei Mark den Dag.
Der Komfor is scho aufghängt. Achtungsvoll Sepp Brunhuber.« Aber gemütlich wars dem Sepp nicht mehr bei seinen sonst so geruhsamen Verrichtungen. Zwar, er hatte sich ängstlich überzeugt und konnte beruhigt sein: so, wie sie hingen, sie drei kleinen, harmlosen Spiegelchen, hinten hüben und drüben, spiegelten sie nicht d[as Geringste wider. — Aber trotzdem, die Gemütlichkeit war fort. Was hat ein ehrlicher Mensch nachher vom aufg’hängten Komfort? Nix als an Schenierer! — (Er genierte sich . . .)
Die Damen aber schienen hochbefriedigt, der Komfort hatte es ihnen angetan. — Nach ihrer Abreise schickten sie alle ihre Bekannten zum Sepp, die Zimmer standen den ganzen Sommer über nie leer. »Komische Leut’, die Stadtleut. . . Und gar die Damen! — Dös sollt’ ma nit denken!« —

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