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Es werden Posts vom Mai, 2011 angezeigt.

Otto Gumprecht - Das Wagnertheater in Bayreuth

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Das Wagnertheater in Bayreuth

Noch stolzer als auf seinen todten Jean Paul ist gegenwärtig Bayreuth auf seinen lebendigen Richard Wagner. Es erblickt in ihm die Gewähr einer glänzenden Zukunft, erwartet von ihm gewaltige Thaten, welche mit einem bunten, festlichen Getümmel froher Gäste von nah und fern die stille, dem Weltverkehr entrückte Stadt erfüllen sollen. Für diese hat, was er in ihrer Mitte in’s Werk zu setzen gedenkt nicht nur künstlerische sondern auch erhebliche materielle Bedeutung. Welche einflußreiche Rolle der Dichterkomponist unter seinen getreuen Bayreuthern spielt, daß er ihnen der licht- und wärmespendende Mittelpunk ist, es macht sich dem Fremden gleich in den ersten Stunden bemerklich. An den Schaufenstern begegnet man auf Schritt und Tritt seinem Bilde, überall seinem Namen in den Spalten der Localpresse. Jedes Kind weiß zu erzählen, daß er einstweilen draußen in der Fantasie wohnt, bis das eigene mit dem Gelde seines freigebigen Königs zu errichtende Haus für ihn…

Feodora Prinzessin zu Schleswig-Holstein - Meer und Menschen

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Meer und Menschen
Die See ist es. Die See mit ihrem grauen Nebel und ihremstarken Wind. Der Wind langt herüber und knickt alles, was klein undschwach ist, und wirft es fort, daß die Wälder dastehn in großen, geschlossenen Massen, unbeugsam, feierlich. Und die schlichten, ruhevollenFormen der Koppeln umschließen die wogenden Weiten. Dazwischensingt die See ihr Lied, die alte, graue Mutter, und selbst wenn esin kleinen sonnigen Wellen auflacht, es hat immer etwas Geheimnisvolles, daß der Mensch vor ihr steht ehrfürchtig, fast feierlich.
So bildet die See auch ihn. Sie läßt ihm nichts Kleinliches, unddie bewegliche Lustigkeit gewöhnt sie ihm ab. Die große Ruhe umihn her macht ihn still, und er lernt bald, schweigend hineinsehen indas große Nebelwogen und warten auf ein Kommendes, auf das großeGeheimnisvolle. Und über dem Stille­sitzen und Warten wird er oftgrau und alt und hat darüber die Zeit der Tat verpaßt.
Dann lachen seiner die klirrenden Stürme, denn die See ist unbarmherzig und liebt…