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Es werden Posts vom Juni, 2011 angezeigt.

Die neunte Charlatanerie - Bibel

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Bibel, hat von Jahrhundert zu Jahrhundert erstaunliche Veränderungen erlitten. Vor grauen Zeiten machten die beyden steinernen Gesetztafeln die ganze Bibel aus. Sie wurde in ein Kästchen aufgehoben, welches die jüdischen Priester allein ansehen und anrühren durften. Bisweilen durfte auch das Volk dieses Heiligthum ungestraft für sich hertragen sehen, welches die Wirkung hatte; Mauren und Thürme einstürzen zu machen, wenn die Priester unter Trompeten- und Pauckenschall damit um eine Stadt herumzogen, welche in Ermangelung des schweren Geschützes nur durch ein Wunderwerk erobert werden konnte. Bisweilen war dies Heiligthum denen heidnischen Völkern nicht so fürchterlich, es ließ sich selbst erobern und von den Phöniziern gefangen wegführen, welchen es erst alles gebrannte Herzeleid anthat, nachdem sie diesem vornehmen Gefangnen die Ehre erwiesen, ihn in ihrem Tempel einzuquartiren. Die Phönizier kamen indessen bey dieser Geschichte noch gut genug weg, indem sie bloß Schmerzen im Hintern…

Die achte Charlatanerie - Beelzebub

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Beelzebub, ist dermaln ein geschlagener Mann der von Niemand mehr geachtet wird, weil er alle seine Kraft verlohren hat. Priester und Leviten dürften groß Leid um ihn tragen, wenn er gänzlich Todes verfahren sollte. – War weiland das Schrecken der Kirche, gegen welchen der Clerus für hohen Sold diente, um die Gläubigen gegen diesen Popanz zu schützen. 


aus: (August Friedrich Cranz), Charlatanerien in alphabetischer Ordnung als Beyträge zur Abbildung und zu den Meynungen des Jahrhunderts, Erster Abschnitt, Auf Kosten des Verfassers, Berlin, 1781



Die siebente Charlatanerie - Bankeroutier

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Bankeroutier, ist Generis Communis. Ein Bankeroutier der sich reich fallirt hat ist ein ehrlicher, ein kluger und angesehner Mann. Derjenige aber, der nicht so viel gerettet hat, um die bey der Behandlung vorkommende gerichtliche Commissionskosten zu bezahlen und offene Tafel zu halten – der alles hingiebt was er hat und in dem Grade zu kurz kömmt, daß er Niemand mehr eine Güte thun kann – ist ein Betrüger, der nach dem Bankeroutier-Edikt behandelt werden muß.


aus: (August Friedrich Cranz), Charlatanerien in alphabetischer Ordnung als Beyträge zur Abbildung und zu den Meynungen des Jahrhunderts, Erster Abschnitt, Auf Kosten des Verfassers, Berlin, 1781



Die sechste Charlatanerie - Arzt

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Die sechste Charlatanerie -  Arzt


Arzt. Der Leibes sowohl als der Seelenarzt, nährt sich seiner Profession so gut er kann – und keiner von beyden bewirkt durch seine graduirte Charlatanerien mehr, als daß er seine Patienten dahin begleitet, wohin sie auch ohne ihn kommen würden. Sonst hat der Leibesarzt das Privilegium Leute ungestraft zu tödten und der Seelenarzt das Recht Schwärmer, Narren – und auch Bösewichter zu machen, wenn er Lust hat, ohne daß ihm jemand, wenn er von Amtswegen Sottisen fabelt, was sagen darf.


aus: (August Friedrich Cranz), Charlatanerien in alphabetischer Ordnung als Beyträge zur Abbildung und zu den Meynungen des Jahrhunderts, Erster Abschnitt, Auf Kosten des Verfassers, Berlin, 1781



Die fünfte Charlatanerie - Arnold

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Die fünfte Charlatanerie - Arnold

Arnold. Ein in der Kirchen- und dermalen auch in der Justitzgeschichte berühmt gewordener Name. Der letzte ein Müller seines Handwerks, gab als eine kleine Ursach zu großen Wirkungen Anlaß – wie denn kleine Dinge mehrmalen zu großen Revolutionen Gelegenheit gegeben haben. Das verarmte ohnmächtige Wässerchen was seine Mühlräder nicht treiben konnte, spühlte einen Großkanzler von seiner Stelle und erhielt Kraft durch das allmächtige Wort des Königs einen neuen Chef der Justitz herzuführen – es fuhr wie eine Sündfluth durch die Krümmungen der Rechtsgänge, daß die Advokaten ersoffen und der alte Codex dem Herkulanum gleich zu Grunde gieng. – Wenn Maria zu Bethlehem nicht im Stalle und in der Gesellschaft, wie geschrieben stehet, akouschirt hätte, so würden wir hiesigen Orts noch den Jupiter, oder die Irmensäule verehren, und wenn Arnolds Mutter abortirt hätte: so wäre der jetzige Justitzministre von Schlesien noch Präsident in Cleve. 
aus: (August Friedrich…

Die vierte Charlatanerie - Armee

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Die vierte Charlatanerie - Armee


Armee. In der Kindheit der Könige waren es Träume, Engelerscheinungen, unmittelbare göttliche Befehle, Propheten und wahrsagende Opferpriester, durch welche das Volk in Respekt gehalten wurde – dergleichen Charlatanerien werden jetzt von großen Regenten nicht gebraucht, weil eine gute Armee dieselben Dienste verrichtet. Die bessere Einrichtung des Militairs hat der Propheterey und Priesterschaft überhaupt Schaden gethan. Ehedem hieng die Sicherheit des Landes und der Erfolg des Kriegs meistens von dem Orakelspruch eines Begeisterten, irgend einer Hexe, von Fasttägen und vom mistischen Aufheben heiliger Hände ab. – Eine preußische Armee macht andere Manövers und hat andere Triebfedern – sie muß stehen, schlagen und siegen, und seitdem das Pulver und schwere Geschütz erfunden ist, wird die ganze Armade der Vorwelt nur noch von Antiquitätenkrämern kultivirt.
aus: (August Friedrich Cranz), Charlatanerien in alphabetischer Ordnung als Beyträge zur Abbildung u…

Die dritte Charlatanerie - Advokat

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Die dritte Charlatanerie - Advokat


Advokat, ist eins von den zweydeutigen Dingen in der jezt lebenden Welt, woraus man nicht weiß was man damit machen soll. Zur Zeit ihrer blühenden unangefochtenen Herrschaft wurden sie zu dem Geschlecht der Blutygel gezählet, zu welchen die Patienten aus Noth ihre Zuflucht nahmen und sich freywillig aussaugen ließen, um sich in anderweitigen Nöthen Hülfe zu verschaffen. Im Ganzen passirten sie für Ränkeschmieder, für Rechtsverdreher, für Gewissensmörder und am gelindesten beurtheilt, für ein nothwendiges Staatenübel. In der jetzigen kritischen Epoke ihrer beschlossenen Abschaffung finden sie Partisans, welche sie nur von der nützlichen Seite betrachten und Vertheidiger, welche denen bisher im Nimbus von Würde gehüllten Richtern dasselbe Schicksal auguriren, mit welchem bisher die Advokaten dem bösen Geschrey allein ausgesetzt waren. Im Grunde betrachtet, ist der beste Advokat seiner Vorschrift gemäß ein Künstler, der die Sache seiner Parthey und hänge…

Die zweite Charlatanerie - Adel

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Die zweite Charlatanerie - Adel
Adel, ist ein schöner Jouvel, der aber seinen Werth und seinen Glanz von der Einfassung erhält. – Ein adeliches nackendes Fräulein deren Quartiere nicht in Gold gefaßt sind, bleibt meistentheils ein ungenoßnes Schaugericht – ein adelicher Junker ist eine Staatsnothwendigkeit welche für den civilsten Preis die Haut hergiebt, um die kostbare und reiche Einfassung des Bürgers zu schützen – kann zur Noth, bloß von der Ehre leben. Nachgerade fängt der Adel an vieles was seiner ursprünglichen Natur anklebt für Charlatanerien anzusehen – die Mesallianze, zum Exempel wenns auf die Entscheidung der wichtigen Frage ankommt; ob Pasteten oder Erdäpfel besser schmecken? 
aus: (August Friedrich Cranz), Charlatanerien in alphabetischer Ordnung als Beyträge zur Abbildung und zu den Meynungen des Jahrhunderts, Erster Abschnitt, Auf Kosten des Verfassers, Berlin, 1781


Die erste Charlatanerie - Abraham

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Die erste Charlatanerie - Abraham

Abraham, war der erste in der heiligen Geschichte bekannte tartarische Fürst der eine herumstreifende Horde kommandirte, und das Recht aufbrachte der Befehlshaber von vielen Knechten und Mägden, und der Eigenthümer von Kameelen und Eseln, Ochsen und Schaafen zu seyn. Er regierte von Gottes Gnaden — durch Träume und Gesichte, mittelst welchen er den Willen des Himmels und das heilsame Regentenrecht bekannt machte daß ihm alle unterthänig seyn mußten die er bezwingen konnte, und die an seine Träume glaubten, daher er auch der Vater der Gläubigen genannt wurde. — Damals wurde es Mode, daß Fürsten die Höfe anderer Fürsten besuchten, und denen zu hoffiren, in deren Allianze man Ruhm und Vortheil suchte, wie Ihro Königl. Majestät weiblichen Inhalts, aus Saba in spätern Zeiten dem Könige Salomo die Visite machte, um seine Weisheit und — weltbekannte phisikalische Kraft zur Gründung eines Abissinischen Prinzen, auf die Probe zu stellen. Der erlauchte Tartarfür…