Der Studiosae Lebensregeln

A young female architecture student by Herman Major Schirmer 


DER STUDIOSAE LEBENSREGELN.
Mel.: Als ich noch im Flügelkleide.

Mägdlein, willst du nun studieren,
Laß Dich etwas instruieren,
Denn die Sach’ ist wirklich nicht so leicht.
Wie’s dem Unverstand oft däucht.
Präg’ Dir ein vor allen Dingen.
Was dem Mägdlein Lob kann bringen,
Wie es sich in seiner Eigenart
Fein und lieblich stets bewahrt.

Lachen sollst Du, Du sollst scherzen
Alle Tag’ und recht von Herzen,
Sing’ Dir oft ein fröhlich Lied,
Das erheitert das Gemüt.
Doch verbummeln die Semesterzeit,
Wie’s die wilden Knaben freut,
Darin liegt kein Witz und wenig Sinn,
Zum Kolleg geh’ ich lieber hin.

Trinken darfst Du, Du darfst trinken,
Wenn Dir duft’ge Bowlen winken,
Und ein Glas voll edlem Gerstensaft
Auch noch keinen Kater schafft.
Aber laßt uns nicht beschreiben
Wie’s die wilden Knaben treiben,
Nehmt das Glas zur Hand und klinget leis,
Nach der deutschen Mädchen Weis’.

Rauchen darfst Du, Du darfst rauchen,
Wenn’s Dir Freude macht zu schmauchen,
Ab und zu ’ne kleine Zigarett’
Ist für Mädchen auch ganz nett.
Aber meide lange Pfeifen,
Denn das wirst du wohl begreifen:
Pfeif im Munde gibt ein schief Gesicht,
Und das steht den Mädchen nicht.

Lieben darfst Du, Du darfst lieben,
Was die Wissenschaft geschrieben,
Was Natur und Kunst auf Erden schafft,
Liebe Du mit ganzer Kraft.
Auch die Väter, Mütter, Tanten
Und die sonst’gen Anverwandten
Liebe Du in stiller Seelenruh’,
Aber dann — klapp’s Herzchen zu.

Aus: Liederbuch für Studentinnen, Strassburg, Heitz, 1910.

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