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Es werden Posts vom Januar, 2012 angezeigt.

Janke Carola - Das Räthsel der Unsterblichkeit gelöst von einer Somnambule

I.
Es ist schon sehr viel über die Unsterblichkeit oder das Leben nach dem Tode gesprochen und geschrieben worden, und dennoch hat Keiner den Vorhang zu heben vermocht, welcher uns von dem dunklen Jenseits trennt und uns jene Welt verschließt, die unser Geist bis jetzt umsonst zu enträthseln versuchte. Noch dunkler und unenthüllter ist die Frage nach der Form, unter welcher ein Fortleben nach dem Tode stattfindet, vorausgesetzt, daß es sich überhaupt nicht mehr um das »Sein oder Nichtsein« nach diesem Leben handelt, die Unsterblichkeit als etwas längst Bewie­senes und Unumstößliches vorausgesetzt wird, und wir von der uns innewohnenden, allen Cultur­völkern eigenen, ewigen Wahrheit ausgehen: »Es giebt einen Gott«, und zwar einen persönlichen, das Universum lebenden und regierenden Gott; einen Gott endlich, der uns, seine Geschöpfe, liebt und daher nicht vernichtet, was der ganzen Anlage nach zu etwas Höherem bestimmt sein muß. Durch großes und tieferes Nachdenken habe ich nun, um es gleich…

Rosa Barach - Die Intelligenz der Frau

Die Intelligenz der Frau. Ein Beitrag zur erweiterten Frauenbildung von Rosa Barach.
Es gibt gebildete Menschen, die von der Ansicht ausgehen, dass eine Frage über die Intelligenz der Frau überhaupt nicht existire, dass es von vornherein ausgeschlossen sei, die Denkkraft der Frau auch nur annähernd mit der des Mannes zu vergleichen. Und doch werfe ich diese Frage auf, schon darum, um ihr Vorhandensein zu bezeugen und die richtige Lösung zu suchen. Bekanntlich beruht das Weltsystem auf dem Principe von Ursache und Wirkung. Allem und Jedem, das da in die Erscheinung tritt, wie allem Thun und Denken, allen Schicksalen der Menschen liegen bestimmte Ursachen zu Grunde, und auch Goethe documentirt dies durch seinen Ausspruch, dass Jeder seines Glückes Schmied sei — wohl auch oft der seines Unglücks, — denn der Lebenslauf eines Menschen, sowie seine Schicksale sind zumeist das Resultat, d. h. die Wirkung seines Charakters, seiner Bildung und seiner Erziehung, welche als bestimmende Ursachen ange…

Elsa Asenijeff - Hallucination

Hallucination
Der arme Reiche, der schweigsam und traurig seinen habgierigen Ausbeutern aus übervollen Händen gab und seufzend allein sass, zu stolz, um das Almosen der Liebe zu betteln! »Keine Verwandten, keine Familie, keine Freunde, kein Herz!« so schluchzte seine Seele und da — erschoss er sich. Ja, eben hatte ich es gelesen. »Ich sass im Zimmer, ein zitternder Dämmerschein lag über dem Raum. Aus hoher schlanker Silbervase stiegen fahlbleiche Iris in die Höhe. Von ihren langen Stengeln herab wiegten sie ihre überzarten Köpfe, leisen Duft in den Raum ergiessend. Sie flüsterten zu mir von seiner Sehnsucht und der meinen: eine Seele! eine Seele! O verzehrender Durst nach einer Seele! Warum hab’ ich ihn nicht gekannt, o Schicksal! Warum? Da fällt’s in mein Herz herab, die Liebe zu ihm, so einzig, wie man nur Tote lieben kann. Ein Schauer erfasst mich. — Ich muss ihn sprechen! — Meine Augen erweitern sich, in nie geahnte Fernen sehend. Sie durch­blicken das Dunkel des Seins. Ich weiss, dass …