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Es werden Posts vom Mai, 2012 angezeigt.

Lafcadio Hearn – Die Geisha.

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Lafcadio Hearn – Die Geisha.aus: Lafcadio Hearn, Izumo, Übertragen von Berta Franzos, Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt am Main, 1907, S. 118ff.Es gibt nichts Stilleres als den Beginn eines japanischen Banketts, und — mit Ausnahme eines Eingeborenen — könnte sich niemand, der einem solchen zum erstenmal beiwohnt, einen Begriff von seinem tumultuösen Ende machen. Geräuschlos treten die geputzten Gäste ein und lassen sich schweigend auf ihren Sitzpolstern nieder. Mädchen, deren nackte Füße lautlos durch das Zimmer gleiten, stellen das lackierte Service auf die Matten vor sie hin. Eine Zeitlang ist alles ein bloßes Hin und Her, ein Wogen und Lächeln wie im Traum. Auch von draußen dringt wohl kaum ein Laut herein, da ein Bankett-Haus gewöhnlich durch einen großen Garten von der Straße getrennt ist. Endlich bricht der Zeremonienmeister, der Gastgeber oder der Arrangeur das allgemeine Schweigen mit der üblichen Formel: »O-somatsu de gozarimasu ga! — dōzo o-hashi!«, worauf …

Clara Linzen-Ernst – Die Psyche der Prostituierten

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Clara Linzen-Ernst – Die Psyche der Prostituierten Essay aus: Die Neue Generation, Herausgegegeben von Dr. Helene Stöcker, Publikationsorgan des Bundes für Mutterschutz, Oesterheld & Co, Verlag, Berlin, 4. Jahrgang, Heft 10, Oktober, 1908, S. 378 ff.


Auf der 80. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln a. R., 20. bis 26. Sept. d. J, teilte Prof. Dr. Christian Müller die Ergebnisse einer eingehenden psychischen Untersuchung der Prostituierten mit, die polizeilich in die Abteilung für Hautkrankheiten der Krankenanstalt Lindenburg eingeliefert wurden. Dr. Müller hat bei seiner Untersuchung besonderen Wert auf die Klarstellung der sozialen Verhältnisse gelegt, aus denen die Prostituierten hervorgegangen sind, und dabei ist er zu dem erstaunlichen Schluss gekommen, dass es keineswegs die wirtschaftliche Notlage ist, die diese Frauen der Prostitution zugeführt hat, dass sowohl die Eltern der Prostituierten, wie die Prostituierten selbst, in auskömmlichen Verhältnissen leben.