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Es werden Posts vom 2014 angezeigt.

Lisbeth Lindemann - Mein Hund

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Mein Hund
von Lindemann-Küßner



Mein Hund ist ein merkwürdiges Vieh. Ein sonderbarer Kerl, — ich glaube, es steckt eine gefangene Menschenseele in ihm. Er kann sogar lachen. Ich meine damit nicht das nervöse Zucken mit dem Maul, das manche Hunde an sich haben, nein, er kann wirklich lachen; vom hellen, freudigen Lachen, mit dem er mich bewillkommt, bis zum Verlegenheitslächeln, wenn er irgend etwas getan hat, was er nicht tun sollte, und noch nicht weiß, wie die Sache ausgehn wird.
Schwarz ist er. Rasse: Mops-Pudel-Pinscher-Dachs; vielleicht nicht ganz so schlimm, er sieht verhältnismäßig ganz anständig aus. Augen hat er wie ein Mensch, d. h. ein treuer Mensch. Große, schwarzbraune Augen, die er nachdenklich hin und her kugelt, während er seinen Kopf still hält.
Und Glück hat das Geschöpf bei Weibern — kolossal! Wenn ich in ein Restaurant gehe — ich bin nämlich Junggeselle — dann sind die Kellnerinnen um ihn her, wie die Fliegen um den Zucker. Das kennt er schon. Er sitzt ruhig mitten drin…

Georg Hirth - Das Gehirn unsrer lieben Schwestern

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Das Gehirn unsrer lieben Schwestern.
Unter allen höheren Regungen und Bewegungen un­serer Zeit erscheint mir, rein menschlich betrachtet, als die schönste und interessanteste der Kampf unserer Schwestern um Gleichstellung mit dem starken, dem herrschenden und unterdrückenden Geschlecht; ja ich halte es für möglich, dass nicht etwa die sozialen und wirtschaftlichen Dissidien der Männerwelt — zum Theil recht dumme Sachen — dem kom­menden Jahrhundert seinen eigenthümlichen Stempel auf­drücken werden, sondern dass dieses Jahrhundert seine Welt­signatur recht eigentlich von der Lösung der »Frauenfrage« erhalten wird. Denn was wir bisher davon erlebt, das war und ist nur erst Vorpostengefecht. Man kann zwar nicht leugnen, dass unsere Schwestern schon manche Positionen errungen ha­ben, die früher uneinnehmbar schienen, und dass sie diese mit grossem Geschick vertheidigen und befestigen, aber die eigentlichen »Sperrforts« der Gleichberechtigung — denn sie wollen »uns« ja nicht verdrängen, sie b…

Ida Lublinski - Jacob und Esau

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Jacob und Esau Ein Beitrag zum Erstgeburtsrecht der Juden VonIda Lublinski

Die Bibel enthält in ihren Erzählungen Darstellungen von Lebens­verhältnissen, die in die schriftlosen Anfänge des jüdischen Volkes hinabreichen. Es ist bekannt, daß mit der Niederschrift der Bibel erst verhältnis­mäßig spät begonnen wurde, während die Entstehung der mündlich über­lieferten Erzählungen um viele Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende zurückliegtin der Dauer so langer Zeiträume wandeln sich aber Zeitanschauungen undZeitverhältnisse entscheidend und manch eine alte Überlieferung, die aus ganzanderen Lebensverhältnissen entstanden ist, wird unverständlich. Weil sie aberzu den geheiligten Traditionen gehörte, suchten die Männer, die endlich anihre Niederschrift gingen, das Tatsachenmaterial nach den Anschauungen ihrerZeit umzudeuten, was nicht immer gut gelang und unter Umständen geradezuEntstellungen ergab. Diesen Vorgang möchte ich an einem Beispiel aus der Bibel zeigen, derden Gegnern des Judentums ir…

Martha Wertheimer - Die Rowina

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Martha Wertheimer Die Rowina
Die erste Begegnung zwischen den jüdischen Menschen in Deutschland und der theatralischen Sendung der »Habima« liegt jetzt überacht Jahre zurück. Sie ist unvergessen. Zu der Begegnung mit dem Hebräischen als lebendiger, kunsttragender Sprache kam die Erkenntnis vonder unsterblichen Kraft des jüdischen Geistes, kam die Überzeugung vonseinem sieghaften Optimismus und der Unüberwindlichkeit jeder Ideeunter uns, solange sie sich nicht von den nährenden Wurzeln unsererTradition und Bestimmung gelöst hat. Es sind acht Jahre — und heutenoch bedeutet diese Begegnung Erneuerung von Kräften und vonHoffnung. Ein glühender Wille hat zwanzig Persönlichkeiten zusammengeschmolzen, zurück ins Urelement der Verwirklichung: Sinnlichmachen desSinns hinter den Dingen. In der Leibesblüte, in der starren Maske, in derunerhörtesten Tänzerschaft aller Glieder, in den sagenden und singendenStimmen, in der Renaissance des pathosbedingenden, dröhnenden, gesanglichen Iwrith, in der Verg…