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Marcella Sanden - Meinem Verführer

Marcella Sanden - Meinem Verführer

Aksel Waldemar Johannessen - Der Morgen danach


I

»Liebe Kleine, komm und nippe
von der Blume meines Kelches,
ehe ich – weiss nicht mehr welches
Mal – ihn rasch hinunterkippe!
Feueraugen, schwarze Flechten –
juch! Du wirst Dich bald bekobern!
Bist mir eine von den Echten,
die im Sturm die Welt erobern.
Ganz junonisch schön gewachsen
und entwickelt bist Du, Kerlchen!
viel zu schad für solche Faxen
wie das Basteln Perl an Perlchen!


Gott der Herr schuf Dich zur Wonne
aller Sterblichen, Marcella.
Mußt Dich zeigen in der Sonne,
doch versteht sich: a capella!«
Also sprach vor sieben Jahren
der Assessor, der im Hause
unsrer väterlichen Laren
nie gefehlt bei Tanz und Schmause;
der in unsrer Lindenlaube
sommers oft in Schlaf gesunken
und den Saft so mancher Traube
lächelnd auf mein Wohl getrunken.
Weihnacht war's, das Fest der Liebe
für die Großen und die Kleinen –
Ungekannte Sinnentriebe
wachten auf: ich musste weinen.


Alles sang, die Mutter spielte,
Urgrossmutter sass und strickte,
der Assessor aber schielte
mich bedeutsam an und nickte.
Seine Flüsterworte drangen
mir ins Herz wie Flammenstifte –
ach, er nahm mich schlau gefangen,
reichte mir das Gift der Gifte!


II

Du hast als Erster mich erkannt,
hast meines Leichtsinns schwachen Bord
mit Deiner Geilheit Fluch bemannt;
der Gluthauch pfiff – wir flogen fort.
Mit vollen Segeln fuhr das Schiff,
lustjauchzend knirschten Mast und Kiel;
mit einemmal: ein Ruck – ein Riff!
Da sprangst Du ab – ich war am Ziel.
Auf öder Klippe saß ich fest,
ins Leere drang mein Hilfeschrei.
Dein war der Trumpf, ich nahm den Rest
und spielte lächelnd Lorelei.
Viel andre kamen hinter Dir,
mir war es recht – nur zu, nur zu!
Sie stillten sämtlich schmutz'ge Gier,
doch keiner so infam wie Du!

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