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Bruno Frank - Das Böse

Bruno Frank - Das Böse



Herr Antonio hatte den schönen, goldfarbenen Abend zu einer Spazierfahrt in den Cascine benutzt, dreimal war er die große Allee hinauf und hinuntergefahren, sanft gewiegt vom langsamen Trab der Pferde, allein, und zu so vorgerückter Stunde nicht mehr genötigt, viel zu grüßen. Schließlich hatte er seinen Wagen fortgeschickt, war zuerst am Fluß entlang und dann durch die Via Tornabuoni spaziert und tauchte nun, nicht weit vom Dom, in das Gewirr der kleinen Gassen, die schon beinahe finster waren.
»Guten Abend, schöner Herr,« sagte ein altes Weib, das irgendwo auf einer Türschwelle saß; im Schein der Laterne sah Herr Antonio, daß ihre Haare schmutzig waren, und daß ihr graubraunes Kleid von der Schulter bis gegen die Brust hin einen großen Riß hatte.
»Guten Abend, Mama,« sagte Herr Antonio, hob sein elegantes graues Hütchen vom Kopfe und verbeugte sich höflich. »Ist's erlaubt?« fügte er noch hinzu, indem er ihr einige Münzen übergab, verbeugte sich aufs Neue und ging fröhlichen Schrittes weiter.
Ach, es war ihm gut zumute. Und das ohne einen besonderen Grund, nur einfach weil er jung war, sich ansehnlich und kräftig fühlte und, von keiner einzigen Sorge bedrückt, gänzlich freien Gemütes durch einen warmen Florentiner Abend ziellos hinschlendern durfte.
Er begrüßte noch andere Personen auf seinem zufälligen Wege. Ein junges Mädchen zuerst, die, reizend wie alle Frauen in solcher Umrahmung, aus ihrem Fenster herabsah, — froh und verlegen zog sie sich hinter den Vorhang zurück, um im nächsten Augenblick wieder zu erscheinen und dem sich Entfernenden angestrengt durch die dunkelnde Gasse nachzuspähen . . . Dann einen kleinen, ziemlich verkommen aussehenden Infanteriesoldaten, — ja ihn hielt er sogar an, bot ihm auf das liebenswürdigste sein Zigarrenetui hin und ärgerte sich nicht einmal, als der schmierige Mensch lange zwischen den Importen umhertastete, schließlich gleich zwei von ihnen nahm und ohne viel zu danken seines Weges weitertrottete.
»Ein Sozialist, ohne Zweifel,« dachte Herr Antonio; »bei Gott, diese Leute haben recht.«
Und nachdem er einen Blick auf seine Uhr geworfen hatte, bog er mit rascherer Gangart in eine Seitengasse ein, die nach der Richtung der belebten Straßen zurückführen mußte. Es war eine lange, ganz schmale Gasse, und matt erhellt lag sie vor Herrn Antonio da. Die Häuser zu beiden Seiten hatten ein besonders ärmliches Aussehen, manchen fehlte die Tür, viele Fensterscheiben waren zerbrochen, — und da auch nirgends Menschen umhersaßen oder  gingen, sagte er sich, daß er eines der verfallenden und halb verlassenen Quartiere durchkreuze, die es in seiner Vaterstadt so gut gibt wie überall in italienischen Städten. Der Gedanke machte ihm keineswegs zu schaffen, er schwang sein Spazierstöckchen im Takt einer Melodie, die er innerlich sang, ohne die Lippen zu bewegen, und eilte fröhlich dahin.
Tritte hallten ihm entgegen, rasche, ungleichmäßige Tritte, und als sie näherkamen, mischten sich quiekende Laute hinein, wie sie ein trotziges oder gequältes Tier von sich gibt.
An Herrn Antonio lief ein Mensch vorüber, irgendein Kerl ohne Hut und ohne Kragen und schlurfend bei jedem Schritt. Das Gesicht hätte Herr Antonio kaum zu erkennen vermocht, auch wenn er es versucht hätte, doch seine Blicke wurden von etwas Anderem angezogen.
In der rechten Hand trug der Mensch ein lebendiges Wesen, ein zappelndes Geschöpf, einen kleinen Hund dem Anschein nach. Er hielt ihn am Fell gepackt und ließ ihn, nach taktmäßigen Pausen, mit großer Heftigkeit gegen die Mauer anschlagen. Das Quieken des Tierchens war ein Schmerzgeheul, und es mußte auch wirklich ein schlimmes Gefühl sein, immer von neuem gegen die scharfen Kanten und Vorsprünge geschleudert zu werden.
»Geht das mich etwas an?« versuchte Herr Antonio zu denken und trat im Weiterschreiten stark auf, um die Klagelaute nicht mehr zu hören.
»Der Stimme nach war es ein ganz junger Hund, ein kleiner . . .« sagte er dann zu sich, blieb stehen und horchte auf das ersterbende Geräusch, während die Ahnung von etwas Schlimmem verfinsternd durch sein Gemüt zog. Es war an der Stelle, wo die lange Gasse ein Ende hat und der Weg zur linken Hand sich im scharfen Knie fortsetzt.
Aus der Ferne ließ sich nun nichts mehr vernehmen. Herr Antonio starrte auf das Bildnis eines Apostels in seiner Nische, von dem nur der nackte Hals durch die unten brennende rote Lampe geheimnisvoll und schrecklich beleuchtet war . . . Seine Augen irrten ab, sprangen von einer dunkeln Stelle des Gemäuers zu einer hellen und wieder zu dem roten Halse zurück . . . Plötzlich überfiel ihn ein Zittern, durch seinen ganzen Körper machte sich ein Kältegefühl bemerkbar, er sagte zu sich selbst: nun werden meine Lippen weiß. Und mit einem so heftigen Ruck, daß sein graues Hütchen weit nach hinten glitt, wandte er sich um und lief — lief den Weg zurück, den er gekommen war.
»Ein ganz junges Tier,« dachte er immerfort, »ganz jung . . . Offenbar hat es seinen Herrn verloren und ist nun dem nächsten Besten nachgelaufen, voll Vertrauen, weil es die Menschen bisher immer gut behandelt haben. Der aber packt es beim Fell und schlägt es im Laufen gegen die Mauer . . . Er wird das Ärgste mit ihm tun, Gott im Himmel . . .«
Herr Antonio spähte, vorbeihastend, in alle geöffneten Tore . . . Wenn der Mensch dort oben nach rechts oder nach links gelaufen war, dann entrann er! Aber das durfte nicht sein. Das wollte auch Gott nicht, der diese Ahnung, diese Gewißheit von etwas Entsetzlichem hatte entstehen lassen. Und wie überhaupt konnte ein Verbrechen begangen werden an einem solchen Abend — alle Sterne standen am Himmel, und die Luft war weich . . .
Er nahm den Hut in die linke Hand; mit der rechten bewegte er in kurzen Rucken sein Stöckchen heftig auf und ab, als sei er bereit und begierig, eine Züchtigung zu erteilen.
Wahrhaftig, er wollte den Burschen züchtigen, die gemeine Freude sollte dem vergehen. »Ich bin nicht umsonst jeden Morgen zwei Stunden auf dem Fechtboden,« fügte er bei sich hinzu und straffte, im Hinstürmen, die Muskeln seines rechten Arms.
Das Hündchen aber, — ja, er würde es auf den Arm heben, es nach Hause tragen, ihm ein schönes Bett zurechtmachen. Er würde von der Chaiselongue die seidene Decke für das Bettchen nehmen . . . So ein armes Geschöpf! Und er glaubte, es wieder schreien zu hören vor Schmerzen und vor Angst . . .
Er hörte es wirklich. Aus einem Torweg drangen seine wilden, hohen Schreie heraus zugleich mit einem schwach flackernden, rötlichen Lichtschein . . . Herr Antonio sprang vor, er gelangte in einen kleinen, gepflasterten Hof, blickte um sich und sah . . .
In der Ecke zur Linken saßen zwei Männer bei einem eisernen Gestell, einer Art Dreifuß, einem metallenen Behältnis, darin es von Kohlen flammte.
Zwei haarige Hände, vom Feuer hell beleuchtet, hielten gewaltsam den braunen Kopf eines kleinen Hundes fest, zwei andere Hände, mehr im Schatten, bewegten eine dünne eiserne Stange, deren Spitze glühte. Die glühende Spitze war dem Tier in das eine Auge gebohrt und drehte sich langsam . . . Dies war es, was Antonio sah.
Er sank gegen die Mauer, aller Speichel vertrocknete in seinem Mund, und es war ihm, als entzündeten sich seine Augen. Die Beiden waren beschäftigt, sie bemerkten ihn nicht; so blieb er, gelähmt, einige Sekunden im Schatten der Einfahrt.
In diesen Sekunden, — während das Feuer einmal die vor Lust zitternden Kinnladen des Peinigers erhellte, einmal ganz stark wiederum die Fäuste des Handlangers, und einmal, bei einer heftigen Zuckung, des Opfers arme Augenhöhle, darin das Eisen stak, — in diesen Sekunden durchlebte Antonio mehr als in den letzten zehn Jahren seines amüsant verbrachten Lebens. Er stürzte, haltlos preisgegeben, von Wesensstufe zu Wesensstufe: vom Rächer zum Richter, vom Richter zum Heiligen und wieder zum Rächer. Ja —rächen!
Er riß seinen Revolver aus der Hosentasche und tat einen einzigen Sprung.
Der Helfershelfer schrie auf, und das Tier entfiel seinen Händen, — jammernd suchte es zu entlaufen, stieß gegen den Ofen und blieb, die Spitze noch im Auge, heulend liegen.
Der Quäler selbst hielt sein Instrument mechanisch fest; ihm floß Geifer vom Mund, vielleicht von der genossenen Lust her, vielleicht schon ein Geifer der Angst vor der erhobenen Waffe. Eingekeilt zwischen Mauer und Feuergestell hockte er da . . .
Antonio hielt seinen Blick starr in diese Ecke gerichtet, — aufschreckend aber vernahm er das Winseln des Hündchens zu seinen Füßen und, ohne das Gesicht des Andern auch nur für einen Moment mit den Augen loszulassen, raffte er das Tier, das halbbetäubt sich wand, am Nackenfell herauf, setzte ihm den Revolver an das Ohr und schoß.
Die Leiche fiel schwer nieder; sie kam unmittelbar vor Antonio zu liegen. Sein Blut tropfte auf ihren Schädel, — denn von der Kugel, die, erlösend, den Kopf des kleinen Hundes durchbohrt hatte, war auch Antonios linke Hand getroffen worden, und das oberste Glied des kleinen Fingers war fortgerissen. Er bemerkte das nicht, das Glühen und Wühlen des Wundschmerzes war verloren an seinem Körper, den ein ungeheuerer Affekt steifte. All sein Leben war in den Augen gesammelt, die den Blick des Verbrechers festzuhalten suchten, und in einer Stelle des Gehirns, wo der Gedanke an das Abscheuliche schwerfällig sich bewegte.
Der Helfershelfer war im Knall und leichten Dampf des Revolverschusses entsprungen.
Ein schwächerer Schein drang von dem nicht angefachten Feuer durch das kleine Gelatinefenster heraus. Und Antonio ahnte es vielleicht mehr, als daß er es sah, welch mächtige gelbe Zähne der Mensch hinter dem Ofen besaß, welch roten, rauhhäutigen nackten Hals und, über all dem, welch armselig schweißige Stirn von Zweifingerbreite . . .
»Was soll ich mit ihm tun, Madonna, was soll ich mit diesem Menschen tun?« dachte Antonio, — und bald dachte er es voll Verzweifelung. Er hielt den Revolver in der erhobenen rechten Hand; sein Arm würde müde werden . . .
Eine Glutwelle stieg ihm plötzlich ins Gehirn, — vielleicht kam sie von der Wunde, — hinter seinen Schläfen, unter seinen Augen brannte wütende Hitze, und ein so maßloses Rachegelüst erfüllte ihn, daß er, mitten in der Erregung, zu sich selber sagte, hier müsse mehr in Aufruhr sein als ein persönliches Gefühl . . .
»Alle muß ich rächen,« dachte er, »alle wollen, daß ich sie räche . . .« Doch er war keineswegs imstande, sich über diesen Gedanken klar zu werden.
In ihm wechselte jetzt das Begehren, furchtbar zu strafen, mit Stößen eines nie gekannten schwächenden Mitleids . . .«
»Die Augen ausbrennen, die Augen ausbrennen! Einem so guten Tier, einem jungen Tier mit weichem Maul . . .«
Denn aus irgend einem Grunde erfüllte ihn gerade der Gedanke an ein weiches, nasses Tiermaul mit einer völlig unerträglichen Rührung.
»Scheusal!« schrie er, vom nächsten Augenblick zur Wut zurückgerissen, »Scheusal!«
Er zitterte heftig, und mit der ganzen Kraft seiner Lippen spie er dem Andern ins Gesicht.
Doch er stand noch immer von ihm entfernt . . . Und das Feuer brannte sehr dunkel, und war es erloschen, so beherrschte er ihn nicht mehr mit der Waffe . . .
»Auf die Polizei denn mit ihm!«
Aber dort hatte man keine Strafe.
»Einen Schuß also, einen Revolverschuß durch den Schädel dort, der sich eben noch unterscheiden läßt!«
Aber das war nichts, das war keine Strafe, das war lächerlich. Der Tod? Hier taugte nur Eines . . .
»Ihn quälen . . . ihn quälen . . . Das Feuer anfachen, die Stange glühen und sie ihm, ihm selber in sein Auge bohren, damit er’s fühlte . . .«
Und Antonio, geschüttelt von seiner Wunde und von übermäßigem Racheentzücken, spürte schon den Buben zwischen seinen Knieen. Ah, er hatte Riesenkräfte jetzt . . .
Aber das war unmöglich, das hieß mit dem Verbrechen selber strafen . . . Groß erhob sich in Antonio der Heilige, der er zuvor, gelähmt unter dem Torweg, für den Bruchteil einer Minute gewesen war.
»Ich selbst bin verworfen, wenn ich das will.«
So konnte denn nichts geschehen? Und das Feuer war am Verlöschen . . .
Antonio betete, halb von Sinnen. Er rief, in so drangvoller Eile, Gott selber an und keinen Mittler . . .
»Vater im Himmel,« dachte er flehend, während unerkannt der Schmerz an ihm riß, »Vater im Himmel hilf mir! rate mir! was soll ich tun? Vater, so mächtig kann das Abscheuliche auf Deiner — Deiner Welt ja nicht sein, daß es ganz ohne Kampf siegt . . . Vater erleuchte mich . . . es wird dunkel, ich kann ihn ja kaum mehr sehen . . .«
Ein letzter oder vorletzter Strahl zuckte über den roten Hals. Vor Antonios Ohren erhob sich ein lautes Summen. Nicht Luft mehr war um ihn, sondern ein zähes, graues Gewoge, das sich nicht atmen ließ. Der ganze weite Luftraum war verpestet durch die Ausdünstung dieses Niedrigsten, — in ihrer Entrücktheit erzitterten die Sterne vor seinem unentrinnbar ekelhaften Anhauch. Alles erstickte . . .
Und im Ansturm des Entsetzens, den Kopf in Glut, fliegende Raserei den ganzen Leib entlang, setzte Antonio sich selbst den Revolver an die Schläfe und drückte ab. Er fiel tot in sich zusammen, und sein Kopf kam auf den weichen Rücken des Hundes zu liegen.
Der Bursche schlich sich aus seinem Winkel heraus. Er stieß, im eiligen Tasten, hart gegen den Vorsprung einer Mauer am Torweg, gab einen Wehlaut von sich, blieb stehen und rieb sich das schmerzende Knie. Dann hinkte er auf die Gasse hinaus und, immer hinkend, ohne sich umzuschauen, lief er davon.

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