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Es werden Posts vom Oktober, 2016 angezeigt.

Des Perlenfischers Töchterlein

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Des Perlenfischers Töchterlein.





In Bayern ist ein Ländlein, heißt die Steinpfalz. Nun ist aber kein Ding auf der Welt ohne Grund, und so mag denn auch Niemand diesem Ländlein den Vorwurf machen, daß es seinen Namen nicht mit Fug und Recht trage. Vom böhmischen und bayerischen Walde her streichen zwei Granitarme, längs der Donau einer, und der andere nördlicher gegen Untergang zu, und bilden in ihrem Schooße einen freundlichen Thalgrund, benetzt von den braunen, geruhigen Wellen des Regenflusses. Aber nicht nur im Gebirge thürmen sich die Felsblöcke zu wundersamen, eigenthümlichen Gestaltungen auf, daß der Wandersmann sie für zerfallene Burgen oder Kirchen, allenfalls selbst für versteinerte riesige Menschengestalten ansehen möchte; auch in der Ebene liegen allenthalben die Granittrümmer zerstreut, als wäre hier der Schauplatz gewesen, wo weiland die Giganten mit Felsblöcken die Himmelsburg erstürmen wollten. Seit Jahrtausenden arbeiten Sturm und Regen an diesen steinernen Wahrzeichen,…

Wunderbarliche Historie von einer Mondfahrt

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Wunderbarliche Historie von einer Mondfahrt.
Es war einmal ein Wundermann, Der hat ’ne Fahrt zum Mond gethan; Die Erd’, sie däucht ihm viel zu kahl, Und was sie gibt, nur fahl und schal! Flugs stellt er sich ’ne Leiter an, Und steigt von Sproß zu Sproß hinan, Und stürzt nach jedem letzten Tritt Die Leiter um zum Weiterschritt. Und so, nach Syllogismen-Art, Fördert sich denn die kühne Fahrt; Zuletzt legt er, in guter Ruh, Sein Schifflein in dem Hafen zu. — Doch auf den schwindelichten Höh’n, Da mocht er weder geh’n noch steh’n, Hielt er sich nicht am Mondeshorn, Der arme Mensch, er wär’ verlor’n. D’rum kehrt er gleich — mit gutem Glück — Zur Leiter wiederum zurück, Anknüpfend sie, von Stuß zu Stuß, Am eignen End’, wie ’nen Kettenschluß. — Ankommt er; und die Menschenschaar Bringt laute Huldigung ihm dar, Und horcht, was der beredte Mund Von blauen Wundern thäte kund. Und also spricht der Wundermann: »Ihr guten Leute lobesan, »Ihr, die ihr lebt im ird’schen Licht, »Versuchet ja die Götter nicht! »Denn droben dort i…

Jules Laforgue - Über die Frauen

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Über die Frauen von Jules Laforgue
Im Grunde ist die Frau ein gewöhnliches Wesen.
Das Wunder. Modepuppen. Sie machen aus ihrem Körper was sie wollen, dem Körper, der die Seele künden sollte. Sie ändern sich im Handumdrehen mit der Haartracht. Ihr Wesen, ihre Augen nehmen den Ausdruck ihrer Frisur an. Diese ungeheure Sache, diese Revolution: nicht mehr Jungfrau sein, wissen! Ändert sie das? Nein. Man sehe sich auf den Straßen um. Welche sind die Intakten, welche die Blessierten? Augen, Wesen haben beide gleich. Alle haben sie das gleiche delikate Wesen der Heiligen Rühr-mich-nicht-an, akkumuliert durch eine Sklavenvergangenheit ohne andres Heil und Brotgewinn als dieses ungewollt verführerische Wesen, das seine Stunde erwartet.
Ein junges Mädchen. Ihre Brust macht sich bemerklich, aber man denkt nicht sie zu besitzen. Ihr feines blondes Haar öffnen, streicheln, mit einer zitternden Hand. Wär es möglich! Würde die Natur nicht erschauern? Die Physiologie sagt, daß alles eintrifft. Es schei…