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Vegan - Kurzgeschichten, Gedichte, Lieder

Christian von Kamp (Hrsg.)
Vegan!
Kurzgeschichten, Gedichte & Lieder
Eine Anthologie

eBook im PDF-Format


Mit Illustrationen von :
Ahmed, Flüchtlingskind, Griechenland, inzwischen Deutschland
Lynda Bell, Neuseeland
Henriette Boldt, Deutschland
Chantal Poulin Durocher, Panama
Dana Ellyn, USA
Sebastian Feldt, Deutschland
Twyla Francois, Kanada
Magda Francot, Belgien
Jo Frederiks, Australien
Jo Hanna, Australien
Erica Hodne, England
Denise Hof, Deutschland
Neville M. Marcinkowski, Belgien
Paula Menetrey, USA
Shinya Okayama, Japan
Birgitta Pilgrim, Autorin, Deutschland
Catalina Plaza, Chile
Kristina Sabaite, Spanien
Sara Sechi, Italien
Raj Singh Tattal, England
Maria Tiqwah van Eldik, Türkei

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E. Kotanyi - Laura Farina

E. Kotanyi (Else Jerusalem) - Laura Farina



Das Unglaublichste geschah. Laura Farina errötete. Ihre bleiche, königliche Stirne überzog sich mit purpurner Glut, die Lippen wurden ernst und schweigsam, wie von Gottes Finger gezeichnet. Das ewige Leuchten des Triumphes erstarb in ihren Augen, und zum erstenmal zeigte sich in ihrem Gesicht, das gebrochen und hilflos aussah, der Schmerz. Um das zu begreifen, muß man Laura Farina kennen, wie ich sie kannte. Sie war das schönste Weib in Italien. Wo sie ging, schien die Sonne heißer, heller vom Himmel zu strahlen, wenn sie lachte, klang es wie der melodische Gesang dir Nachtigallen, und wer in ihr Gesicht blickte, verlor für Augenblicke seine Sehnsucht. Man drängte sich um ihren Wagen, warf Rosen und Epheu in ihren Schoß und jubelte ihr zu mit der ganzen, naiven Begeisterung eines im Schönheitskultus erzogenen Volkes. »La divina« riefen sie ihr freudig entgegen, wenn sie mit kleinen, flüchtigen Schritten durch die Gassen ging, und Männer und Fr…

Julius Stinde - Toilette für das Mikroskop

Toilette für das Mikroskop.
Es ist nur ein winzig kleines Ding, der Spinnenfuß, das äußerste Ende des langen Spinnenbeines, aber durch das Mikroskop betrachtet, zeigt er nicht nur einen ganz eigenartigen Bau, sondern erhebt sogar einigen Anspruch auf Schönheit, da er unter dem Mikroskop stets in großer Toilette liegt. Aesthetische Rücksichten sind es indeß nicht, welche ihm zu dieser Toilette verhelfen; nur weil sich seine merkwürdigen Einzelheiten sonst nicht klar und deutlich erkennen lassen, deshalb muß jene Reihe von verschiedenen Operationen mit ihm vorgenommen werden, welche mit dem wissenschaftlichen Namen der Präparation bezeichnet wird, im Grunde aber nichts anderes ist als eine umständliche Toilette von so durchgreifender Art, daß die Schönheitspasten und Eselsmilchbäder der vornehmen Damen des römischen Kaiserreichs dagegen gar nicht in Betracht gezogen werden können. Das Toilettezimmer ist der Arbeitstisch des Mikroskopikers; spitze und breite Nadeln, seine Scheeren, Messe…