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Es werden Posts vom Oktober, 2018 angezeigt.

Karl Einstein - Der von Gott gewollte Chinahändler

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KARL EINSTEIN - DER VON GOTT GEWOLLTE CHINAHÄNDLER


Er fuhr nach China. Indien war für ihn nichts, war schon zu abgeklappert. Zunächst kaufte er altchinesische Nachttöpfe und machte die epochemachende Ausstellung im Museum zu Lissabon.
Die Zeitungen schrien vor Delikatesse.
»Ein altes Volk, dessen Kultur die letzten unaussprechlichen Dinge bezaubert.« Ein anderes: »Bisher hiess es in Schönheit sterben. Eine untergehende Rasse, an der wir Geschäfte schamlos machen, lehrt uns in Schönheit . . . . . . . . . .«
»Die rohe Unkultur englischer Waterclosets,« schrieb ein anderes, »nein, die Hand des Künstlers, der die kleinsten Dinge ziert, ist uns verdorrt; der Hygienewahnsinn verhässlichte uns sogar das Nötige und drang in das geheimste, das Badezimmer.«
Ein anderes frug: »Vermag nicht die Schönheit des Apparates die Gesundheit mehr zu fördern?« »Selbst das Badezimmer ist demokratisiert,« entrüstete sich das royalistische Blatt, »aber solche Offenbarungen lassen uns stärker an den Sieg der königl…

Max Herrmann (Neisse) - Hilflose Augen

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Max Herrmann (Neisse) - Hilflose Augen


Das gemeinsame Mittagessen war schon beendet, als Frank aus dem Gymnasium nach Hause kam.
Ernst stand auf der Strasse im Sonnenschein, an die weisse Mauer gelehnt und haschte Fliegen. Ein heimtückisches Grinsen schien sein Gesicht zu entstellen. Franks Augen wurden unsagbar hilflos. Wie gehetzt lief er durch die Bierstube, in der seine Mutter über einem Buch sass, das sie hastig mit schmerzlicher Heimlichtuerei im Pult verschloss. Er hörte Ernst einen Gassenhauer pfeifen. Dann stürmte er die Treppe hinauf.
Die Köchin blieb mürrisch. Die Suppe war kalt. Aus dem Nebenzimmer quoll das aufreizend regelmässige Mittagsschnarchen des Vaters. Frank überkam das Gefühl eines unerklärlichen namenlos wehmütigen Ekels. Er musste aufhören zu essen. Er wollte seine Hündin Batry mit den verschmähten Speisen füttern und begann, nach ihr zu rufen. Sie war nicht da. Das nervöse Prickeln einer bösen Ahnung beschlich ihn. Er lärmte mit der Köchin. Die zuckte höhnisch di…

Walter Serner - Inferno

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Walter Serner - Inferno

Ein Schreien, das widersetzlich beginnt, wenn es am lautesten wird, vor Wut sich überschlägt und verebbend kraftlos fauchend erliegt, schleudert aus dem Neugeborenen, das herausgepresst und herausgezerrt werden muss, eine Auflehnung, die nie wieder ganz zerbricht, oft dünn wird oder spärlich, selten häufig oder starr und die erst mit dem Tod endet, welcher ihr Recht in der Angst vor ihm metaphysisch durchfallt. In der Geburt als Ursache schreit schon der Tod als Wirkung und die Wut, die das Leben gegen ihn verteidigt, verteidigt ihn auch gegen das Leben. Diese Auflehnung, die dort verweigert, was hier Wehrlosigkeit aufgebürdet bekam, ist das grosse Mass und dessen Pole umklammern das Schicksal. In ihm ist die Entscheidung auf Leben und Tod: den Himmel als Hoffnung zu läugnen oder die Erde als Hölle zu erleben. Vor der Zahllosigkeit jener Schwäche, die leere Gier ist und stumpfes Sorgen, starrt die seltene Kraft dieser Einzelnen, deren Grösse Qual ist.

Vorbei am j…

Johannes Wendelin - Spuk

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SPUK Erzählung von Johannes Wendelin

Ein frischer, eislufterfüllter Wind fegte unaufhörlich den Bahndamm hinunter. Wir standen auf dem versteckten Perron eines kleinen Bergortes in der französischen Schweiz. Soweit das Auge reichte: Felsen, Klüfte, Fichtentäler und In der Höhe die ewigen Schneekuppen und ein hellblauer dünner Himmel. Neben mir wippte meine lebenslustige Freundin auf den Zehenspitzen auf und nieder. Sie hatte keinen Sinn für Seßhaftigkeit und wartete noch ungeduldiger als ich darauf, fortzukommen. Vor einigen Tagen war sie mit mir auf eine unvorbereitete Liebesreise ausgerissen; daneben aber verfolgte sie noch einen anderen Zweck. Sie benutzte seit Jahren jede Möglichkeit, in die Welt hinaus zu kommen, weil sie nach einem verschollenen Bruder suchte. Sie selbst hatte ihn nicht gekannt. Ihre Eltern hatten ihr erzählt, daß er frühzeitig verunglückt, der Leichnam aber nie aufgefunden worden sei. Vielleicht war es nur eine Starrköpfigkeit von ihr; aber sie glaubte nicht an …

Walter Serner - Die Frauen der Revolution

Walter Serner - Die Frauen der Revolution
Je grösser die Zahl derer ist, die Revolution und Geist irgendwie sich berühren lassen, desto kleiner wird die Möglichkeit, eine erfolgreiche Revolution zu erleben. Die Ueberzeugung, Rousseau sei letzten Endes der geistige Urheber der französischen Revolution des Jahres 1789, ist ebenso falsch wie die, in Russland hätten vor einem Jahrzehnt die Geister revolutioniert, richtig. Hätte nicht der Hunger in Rotten nach Versailles sich geschleppt, Ludwig der Sechzehnte wäre nie guillotiniert, das Bürgertum nie so frei geworden, wie es heute der Arbeiter sein möchte. Und nur weil die russische Revolution von Satten gemacht wurde, konnte sie niedergeworfen werden. Rousseau, der manchem hinterher das Gewissen erleichtert haben mochte, konnte in die selbsttätige Flut einer Wirkung hineingerissen werden, Ursache war er nicht. Bakunin, der den Köpfen, welche sich erhoben, das Gewissen aufgerüttelt hatte, vermochte nicht, jene mitzureissen, denen der Magen …